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Gewalt in Spielen am Beispiel TLoU2

Gast · 38 · 17146

southflorida

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Ich sag auch, jeder muss für sich entscheiden, ob er das Spiel mag. Eine Kaufempfehlung will ich nicht abreden.

Ich persönlich fand es anstrengend (leider auch durch spielerische Mängel) und z.T. erschreckend.

Ich würde sagen, hier hilft nicht mal eine Altersgrenze, es kann auch Leute mit 25 geben, die das absolut abstoßend finden. Für mich ist das nichts, was Bock bringt, zumal es so lange geht.

Und wie gesagt, zehn Stunden hätten gereicht, so in etwa war das beim Vorgänger. Ich war bei 20 Stunden oder so bei Seattle Tag 3, und da ist man noch weit vor entscheidenden Entwicklungen im Spiel.
Finde das Review von spirit auch trotz im großen anderer Meinung super.



Faust

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Sobald ich mal bei einem Videospiel das Gefühl habe mir ginge das gezeigte zu weit melde ich mich wieder.

Bisher ist nichts hängen geblieben. Und "Hatred" (der ein oder andere erinnert sich vielleicht) ist nach wie vor ein Witz über welches sich nur "hysterische hypermoralisierte möchte gern empörte Nachplapperer" (oder kurz, Handpuppen) echauffieren.

Mal schauen was TLOU2 zu bieten hat.



PHX

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Ist halt immer eine Frage der Tonalität. Bei Tarantino-Filmen oder Mortal Kombat oder Manhunt ist das irgendwie die eine Sache, da ist die ganze Welt so - in Ermangelung eines besseren Begriffes - "comichaft", also so überspitzt und so voll von adolenszenten Machtphantasien, da ist Gewalt irgendwo ein Mittel zum Zweck. Aber sobald es realistischer wird, sobald du sozusagen "Echtweltgefühle" mit dem Medium in Verbdindung bringen kannst/sollst, wird es schwierig.
In Uncharted 4 gibt es eine Szene, in der (Spoiler nach 1h) Nate mit seiner Frau auf der Couch sitzt und sie Nudeln essen und sich dann kabbeln, wer den Abwasch macht, und "10 Sekunden später" knallst du Typen weg wie der krasseste Massenmörder. Das ist schon sehr grenzwertig, sehr achterbahnmäßig, das trifft für mich den Ton nicht mehr so ganz. Ist wie in Star Wars Episode 1, wo George Lucas von "Emotional" zu "Lustig" zu "Spannend" zu "Episch" in ein paar Minuten gehen will, das klappt halt irgendwann nicht mehr so ganz.
Ich glaub' Naughty Dog ist eine endkrasse Firma, die haben ganz ganz viel Zeug drauf, das alles super effektiv und gut ist, aber manchmal wäre etwas weniger da mehr. Wenn TLOU2 nicht mit dem harten Gefühlsstuff kommen würde und statt dessen eine Remmidemmi Drecksauparty wäre - überspitzt gesagt - würde es vielen nicht so komisch aufstoßen.


link

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Ich habe irgendwie einen inneren Demotivator bei Gewalt gegen Menschen. Es ist nicht so dass ich prinzipiell abgeneigt bin und es komplett ablehne, aber fiktionale Szenarien z.b. gegen Zombies, Mutanten, Aliens sind bei mir kein Problem da kann ich metzeln, schnitzeln was das Zeug hält. Realistische Szenarien (meist militärische) sind mir aber zumeist solche in denen ich die Lust verliere. So zumindest meine Annahme. Ich habe jetzt mal Battlefield 1 für 2.99$ gekauft weil es eine halbwegs gute SP Kampgane haben soll. Das ist mein erstes Spiel in dieser Richtung.

Aber ich wenn ich darüber sinniere kann es echt das Menschen Ding sein warum ich bei so Spielen die Lust verliere auch bei Titeln wie GTA, oder Red Dead Redemption selbst Max Payne habe ich nur unter notdürftiger Selbstmotviation irgendwie durchgespielt.

Auch die Ballerpassagen bei Uncharted oder TR sind für mich weniger motivierend.

TLOU hatte gegnertechnisch zumindest eine Mischung drin und das Stealth Element, was mir persönlich liegt. Damit kan ich dann auch wieder meucheln anstatt plump auf Leute zu ballern. Teil 2 ist bei mir noch offen ich weiß noch nicht ob ich ihn angehen möchte.

Es ist der schmale Grat aus Gegnertypen und Szenario bei mir.

« Letzte Änderung: Juli 27, 2020, 11:39:57 Vormittag von link »



link

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Wie gesagt es schreckt mich in keinster Weise ab. Ich verliere nur die Lust daran schneller als z.b. bei einem anderen Spiel, komisch zu beschreiben.
« Letzte Änderung: Juli 27, 2020, 01:56:40 Nachmittag von link »



southflorida

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Was noch so eine Sache es: es wird immer erwähnt, dass in einer Welt des Überlebenskampf halt (erst Recht) so wäre.

Bei TLOU2 indes ist es längst kein unmittelbarer Überlebenskampf mehr.
Die Leute in Jackson leben in einer Stadt, haben Schulen, Kneipen... und die Leute in Seattle sollten eigentlich auch auf ihren riesigen verfügbaren urbaren Flächen Getreide anbauen und Tiere halten, statt *ununterbrochen* den Schießbügel zu schwingen. Wenn die gar Zeit und Muße haben, religiöse Sekten zu gründen... Irgendwas stimmt da nicht.

Selbst die SS ließ halt "zehn" Leute ihre Waffe beim Erschießungskommando auf jemanden richten ("eine" tatsächlich mit Munition gefüllt)... weil man keine "Gewissensbisse" wollte.
Und ich sage, dass es selbst im unmenschlichsten Krieg, wo z.T. auch unmittelbarer Hass im Spiel war (z.B. in Stalingrad) menschliche Szenen gab. Gefangenenaustausch... Eine Stunde Pause, um wenigstens beiden Seiten zu ermöglichen, die Leichen zu identifizieren. Und die hatten nichts, nicht mal was zu fressen. Aber es gab menschliche Gesten, auf beiden Seiten.
Und im ersten Weltkrieg, wo es die übelsten Schlachten gab, fingen die Soldaten zu Heiligabend an, zu singen (Engländer und Deutsche gemeinsam) und spielten am Tag danach Fußball... da drehten dann die Offiziere durch und es wurde auf Befehl "von oben" weitergeschossen.
Es mag Menschen mit Abgründen geben, aber so wie in TLOU2, wo quasi jeder "sofort" (ohne Gefangene zu machen) tötet... nein. So einfach ist das nicht.
« Letzte Änderung: Juli 27, 2020, 02:43:36 Nachmittag von southflorida »


wraith

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Stört mich nicht wirklich, Gewalt in Spielen.
Ich habe z.B. deshalb Fallout 3 geliebt, weil es da so schön die Gegner zerfetzt hat in Zeitlupe. Dasselbe mit Brothers In Arms Hells Highway. Wunderbar, wenn nach einem Granatenwurf Beine und Torsi herumflogen. Fand ich gut  :D

Es kommt immer darauf an. Bei einer Lara Croft fand ich es daneben, weil die das so halt nie gemacht hat. Finde ich unpassend irgendwie. Aber mittlerweile sieht man darüber hinweg, weil das eh längst nimmer Tomb Raider ist, sondern Tomb Raider Headhunter oder so.

Und die Trevor-Folterszene bei GTA V fand ich grauenvoll. Bei Silent Hill Homecoming dagegen wieder war sie passend (mit der Bohrmaschine).

Manhunt liebe ich eh. Ich möchte da bitte einen dritten Teil haben. Müßte grandios werden bei der heutigen Technik.

Trauere auch immer noch diesem gecancelten REDWOOD FALLS hinterther, mit seinen verschiedenen "Schichten", die man zerstören konnte (mürbe schiessen).

In GOD OF WAR 3 wiederum fand ich es abstoßend, wie Kratos mi Gegnern umgeht. Völlig deplatziert. Hat mir echt das Spiel versaut. Und den Charakter. Seitdem hasse ich den Kerl wie die Pest. Ein unsympathisches und cholerisches Arschloch, das ich nicht mehr spielen will. Auch wie er mit seinem Sohn umgeht im neuen Teil, den ich nur von Ausschnitten her kenne. Nö, solche Hackfressen möchte ich nicht spielen.
« Letzte Änderung: Juli 27, 2020, 03:41:38 Nachmittag von wraith »
"The controller has been the biggest barrier separating gamers from the world of designers." (Peter Molyneux, Juni 2011)
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SegaMan

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So bin durch:

Handwerklich ein sehr beeindruckendes Stück Software.

Technisch auf sehr hohem Niveau (Grafik/Sound) und ein genialer Soundtrack.
Die Geschichte an sich wird sehr gut erzählt und die Inszenierung ist super.

Gameplaytechnisch werden zwar keine Bäume ausgerissen aber alles geht locker von der Hand.

Gewalt an sich empfand ich jetzt im Spiel nicht wirklich übertrieben brutaler als ich das schon bei zig anderen games gesehen habe.
Jetzt kommt allerdings auch von mir das ABER:


Das man im Spiel sowohl die Geschichte von Ellie als auch jene von Abby aktiv spielt funktioniert für mich NICHT.

Am Anfang kriegt man in die Fresse das eine unbekannte Frau (Abby) mal so aus dem Nichts heraus Joel brutal ermordet nachdem er ihr das Leben gerettet hat. Ellie muss das mitansehen  und will RACHE.

Auf dem Weg zu Abby trifft Ellie dann auf allerlei Gegner die ihr den Gar ausmachen wollen.
Also wird mal fröhlich drauflos gemeuchelt. Soweit also nichts wirklich neues.

Problematisch wird es dann ab Mitte des games wenn man mehr über Abby und ihre Geschichte erfährt und dadurch als Spieler auch zu dieser Person eine Beziehung aufbaut.

Wenn ich nur eine Seite spiele und praktisch alle anderen "mein" Feind sind dann kann ich auch fröhlich vor mich hin schnetzeln.
Wenn ich dann allerdings praktisch "mich selber" Jagen muss weil ich jetzt auf einmal eine andere Person spiele dann wird es schwierig.

Und es wird noch schlimmer:

Der erste Moment wo ich da nicht mehr mit "wollte" war jener im Aquarium bei Owen und seiner schwangeren Freundin.
In der Zwischensequenz wird Owen getöten was noch geht weil man da nicht AKTIV daran beteiligt ist.
Dann kommt es aber zu dem Moment wo Ellie die Schwangere killt und das muss ich als gamer AKTIV tun.
Ich hab da sicher 2min gewartet ob die Button Vorgabe verschwindet.
Leider ZWINGT mich das game sie zu töten sonst geht es nicht weiter.

Genau dieses Szenario wiederholt sich im Spiel dann noch 2x.
1x muss man als Abby versuchen Ellie den Gar aus zu machen.

Und ganz am Ende dann nochmal als Ellie um Abby zu killen.
Hab da am Anfang wieder NICHTS gemacht weil mir die Aktion komplett gegen den Strich ging.
Aber auch hier ZWINGT einem das game dazu zu handeln sonst heißt es GameOver bzw. es geht nicht weiter.

Persönlich würde ich mich am Ende mehr mit Abby identifizieren als mit Ellie.
Abby hat ihren Frieden gefunden.
Ellie ist ein seelisches Wrack.
 
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Schlussgedanke:

Videospiele sind mittlerweile Filmen in jeglicher Hinsicht mehr als Ebenbürtig.
Was da auf den Bildschirm gezaubert wird ist UNFASSBAR.

Allerdings zeigt TLoU2 jetzt auch Probleme auf auf die Entwickler zukünftig achten müssen.

Die Hintergrundgeschichten zu Ellie und Abby wird super erzählt.
Es gelingt Naughty Dog seht gut das man als Spieler eine Beziehung zu Ellie und Abby aufbaut.
Man kann in einer gewissen Weise beide Charaktere verstehen bzw. ihre Handlungen nachvollziehen.

Wenn man dann dem Spieler aber eine moralische Nachricht übermitteln will und ihn dann aber zu Aktionen ZWINGT die man so gar nicht mitmachen will funktioniert aus meiner Sicht die Erzählweise nicht mehr.

Das selbe gilt für die Gewalt.

Wie kann ich versuchen eine moralische Botschaft zu transportieren wenn ich eine Spielewelt kreiere die absolut keine Moral hat?
JEDE Gruppierung handelt skrupellos und extrem gewalttätig. Und das obwohl man sie einzeln gesehen als harmonische Gemeinschaften ohne Not darstellt.

Egal ob WLF, SKARS oder auch zum Schluss diese komischen Sklaventreiber.
Alle leben in einem sicheren Bereich und haben ausreichend Rohstoffe/Nahrung.
Trotzdem geht es nur darum das alle sich abmurksen oder ausbeuten wollen.

Das ist einfach extrem flach und diesem game eigentlich nicht würdig.....

« Letzte Änderung: August 14, 2020, 09:54:35 Nachmittag von SegaMan »



SegaMan

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