Days Gone
Days Gone hat jetzt, einen Tag nach dem Durchspielen, das selbe Problem wie die vergangenen Assassins Creed Spiele. Quasi direkt nach der ersten Minute nach dem Abspann war das Abenteuer zu einem großen Teil vergessen. Ich wusste nicht mehr wie es anfing oder was die Pandemie ausgelöst hatte.
Kann mich nicht mehr an coole Missionen erinnern oder an wahnsinnig spannende Gefechte.
Nur das Ende war schön geschrieben und eines Open World Spiels, welches durch Sony finanziert und stark beworben wurde absolut toll und passend.
Mein Problem ist: Ich will Days Gone wahnsinnig toll finden aber das Spiel macht es mir nicht einfach.
In Days Gone schlüpft Ihr in die Rolle des Ex-Bikers Deacon St. John. Aufgrund einer weltweiten Pandemie (Hoho) wurden aus den meisten Menschen sog. Freaker. Nicht zu verwechseln mit langsamen, toten und dummen Zombies, eher das komplette Gegenteil. Deacon verlor seine frisch gebackene Frau und versucht sich nun als Kopfgeldjäger und Problemlöser den ein oder anderen Credit zu verdienen und dem Geheimnis der Freaker und deren Ursprung auf die Spur zu kommen.
Days Gone spielt in Farewell, welches dem Bundesstaat Oregon nachempfunden wurde. Beheimatet werden die einzelnen Gebiete durch Freaker, Räuber und diversen Gruppen die sich in Camps zusammengeschlossen haben und Deacon mit Infos, Ausrüstung und Missionen versorgen.
Farewell ist mit seinen Bezirken eine wahre Augenweide. Dichte Wälder und Bäche wechseln sich mit schönen Seelandschaften ab nur um wieder von Wüsten- und Berglandschaften unterbrochen zu werden. Besonders auf der PS5 läuft und sieht das Spiel famos aus. Flüssige 60fps und 4K Auflösung gepaart mit HDR…so kann der aktuelle Generation ruhig weitergehen.
An fast jeder Stelle kann man einen Screenshot machen und es sieht beeindruckend aus. Das Fahren zu den einzelnen Missionen ist eine große Stärke des Spiels. Zum einen natürlich wegen der Optik und der abwechslungsreichen, fast schon „videospielartigen“ Aufteilung der Welt und zum anderen weil auf dem Motorrad die Freiheit umso schöner erscheint.
Richtig, außer dem eigenen Motorrad gibt es keine weiteren Fortbewegungsmittel in dem Spiel. Und am Anfang geht es einem auch auf den Keks dieses Gameplayelement nicht zu verstehen. Zu schnell ist der Benzintank leer, zu schnell ist das Ding Schrott. Es ist langsam, die Traktion lässt zu wünschen übrig und teleportiert sich nichts ins Lager zurück wenn Ihr es irgendwo stehen lässt. Nach und nach werden Upgrades verfügbar was die Unzugänglichkeiten eliminiert und schlussendlich kann das Bike auch geborgen werden was den Frust etwas senkt. Was will ich damit sagen? Deacon ist nicht der einzige Hauptcharakter, der gesteuert werden will.
Spielerisch reiht sich Days Gone in die Kerbe eines Assassins Creed ein, hat aber auch genug Anleihen an ein Red Dead Redemption (Pferd), The Last of Us (Stealth und Gegner) sowie Lef4Dead (Horden). Das klappt die meiste Zeit auch ganz gut. Natürlich wird hierbei das Rad nicht erfunden und manches machen die Vorbilder besser aber nüchtern und objektiv betrachtet bringt die Kombination aus Schießen, Schleichen, Erkunden, Kämpfen und Aufträge erledigen ein gewisses Suchtpotential mit sich. Immer wieder erwischt man sich „nur noch eine Mission“ zu erledigen und schnell sind mal so 3 Stunden vergangen. Und das obwohl insbesondere die Missionsstrukturen und die Pace alles andere als berauschend ist.
Missionen gibt es zuhauf, die meisten sind gewissermaßen nur dazu da um die Spielzeit zu strecken. Es werden viele Aufträge vom Kaliber „Säubere das Camp“ oder „Rette Person A“ auf euch nieder prassen nur um eine storyrelevante Hauptmission zu triggern und spielen zu lassen. Was danach folgt ist Quasi das was man vorher auch gemacht hat, nur eben mit neuen Missionen, immer und immer wieder. Das bringt auf der einen Seite Kohle und XP für das Campf, auf der anderen Seite möchte man aber langsam aber sicher die Geschichte weiterverfolgen.
Erkunden werden nicht nur Banditenlager oder Wegposten sondern auch kleinere verlassene Städte mit heruntergekommenen, begehbaren Häusern oder ganze Höhlensysteme und Farmen oder Sägewerke. Wie oben schon beschrieben, an optischer und landschaftlicher Abwechslung mangelt es nicht.
Days Gone ist ein Spiel was man lieben und hassen kann. Die Gesamtatmosphäre der Postapokalypse ist toll eingefangen, die Charaktere haben stellenweise Tiefe und nachvollziehbare Gründe und wachsen einen schon ans Herz. Nur wieso krankt dann die Hauptgeschichte vor sich hin und kann nicht zu 100% überzeugen? Wieso lässt mich das Gespielte kalt? Wo ist dieses Videogame-Gen was Days Gone in die oberen Bestenliste katapultiert? Es fehlt nicht an Feinschliff oder Umfang oder gar Musik (die extrem passend und toll ist). Es ist ein Mix aus leichter Ideenarmut gepaart mit dem zu großen Respekt der großen Brüder. Das nächste Mal liebes Bend Studio Team: Traut euch eure Vision umzusetzen. Ein Spielereihe, die von belanglosen Nebenmissionen überquillt, haben wir schon und brauchen wir nicht noch mal.
7/10