FF VII RebirthSo Jungs, bin durch. Also mit dem Spiel und auch mental.
Bin aktuell der Meinung, dass wenn Square Enix es darauf angekommen lassen hätte und NUR ein stinknormales Remake entwickelt hätte, wäre es eines der besten Remakes da draußen.
Die Story wäre nicht so aufgebläht, die Entwickler wäre schneller von statten gegangen, einige fragwürdige Entscheidungen wären uns erspart geblieben.
Was wir bekommen haben ist ein REtelling der Story mit genügend neuen Ideen aber im Kern ist es stellenweise 1:1 dem Original nachempfunden.
Rebirth ist der Mittelteil der FF VII Geschichte, das merkt man an jeder Stelle. Die Charaktere sind
bekannt und es geht von Ort zu Ort auf der Suche nach Sephiroth.
Dabei wird man von den Locations und den Umlanden regelrecht baff gelassen. Alle, wirklich alle Orte und Städte sind derart originalgetreu und mit dem richtigen Flair des Jahrhundert RPGs nachempfunden. Nibelheim, Cosmo Canyon und Co. beeindrucken mit entweder einer 1:1 Nachbildung oder der schirren Größe.
Dabei werden auch die Minispiele geremaked. Die Parade in Junon ist gelungen umgesetzt, das Chocobo Race kommt gefährlich nah an Mario Kart oder Diddy Kong Racing heran.
Kämpfen macht wieder mal sehr viel Spaß, kein Vergleich zu FF XVI. Neu hinzugekommen sind die Tag Team Moves, das Eingreifen von inaktiven Partymitgliedern in den Kampf und die ganzen Materiakombination sind wieder mit dabei.
Taktisch geht es zu, wenn man sich entscheiden muss ob die Magie eingesetzt wird bevor der Gegner in den Schockzustand geschickt wird oder ob die Konterhaltung eingenommen wird und dadurch einen ATB Balken opfert.
Grafisch sieht das Spiel wunderbar aus. Selten habe ich so tolle Effekte in Kämpfen gesehen oder so scharfe Texturen gesehen. Dazu alles im Performance Modus in 60fps. Den Quality Modus habe ich einige Male ausprobiert und ja, hier sieht alles nochmals toller aus aber ist es nicht wert.
Nun zum großen Pluspunkt des Spiels: Die Musik.
Einige Tracks kennt man aus dem Vorgängern, u.a. das geniale Airbuster Theme. Aber auch Aeriths Theme, Cosmo Canyon, Golden Saucer oder Costa del Sol machen was her und interpretieren die 1997er Lieder gekonnt und vor allem sehr gut neu.
Dadurch, dass wir uns nun außerhalb von Midgar bewegen, kommen neue, offenere Areale hinzu. Diese sind nicht zu groß und nicht zu klein. Genug Auslauf bekommt man und kann sich mit Nebenquests und Co. beschäftigen.
Die Nebenquests sind diesmal etwas abwechslungsreicher, spaßiger und erzählen nette kleine Geschichten.
DAS Minispiel ist diesmal wie schon in VIII und IX ein Kartenspiel welches das Prädikat "süchtig und herausfordernd" trägt.
Ich war von den ganzen Möglichkeiten so angetan, dass ich alle Nebenmissionen und das Kartenspiel durchgespielt habe, knapp 80 Stunden zeigte der Ingametimer an.
Kommen wir nun zu der Story.
Das wird für SE nun ein Mammutakt.
Das Spiel endet quasi dort wo das Original gerade mal an der Hälfte angekommen ist. Wie der Rest nun im letzten Teil zusammengefasst wird und wie groß das Werk dann wird, das kann gehörig schief gehen. Wenn ich daran denke was alles noch fehlt,
Wutai, Nordkrater, Nordwand, Weapons, Clouds Flashback im Lebensstrom, U Boot, Rocket Town. Das wird sportlich und hoffentlich nicht gehetzt. Wobei man auch sagen muss, dass die Assets schon zum Großteil bestehen.
Die Änderungen in der Geschichte sind teilweise gut umgesetzt. Hierbei werden die Neueinsteiger nichts "seltsames" erkennen und das alles als ganz normal betrachten.
Dann gibt es aber noch die Änderungen die schwerer wiegen.
Costa Del Sol ist ein tolles Urlaubsparadies aber muss ich da Stunden verbringen und Aufgaben erledigen?
Der Gold Saucer muss erkunden werden, das Spiel verlangt diverse Nebenaufgaben zu spielen um Weiter zu kommen
Auch ist das Ende wieder komplett hanebüchen und vollgepackt mit Bosskämpfen u.a. wieder Sephiroth und zig Mal Jenova. Klar, ist das Finale eines Spiels aber diesen Minuspunkt hat sich SE selbst zuzuschreiben aufgrund der Aufteilung in drei Spiele. Dann kommen noch die offenen Areale welche peu a peu immer schwächer und diffuser werden.
Die Graßlande sind noch toll und eine gelungene Interpretation aus dem Original. Die Junon Region sieht mit der Stadt im Hintergrund toll aus und beinhaltet spaßige Quests.
Corel besteht im zweiten teil nur aus Wüste, sieht aber famos aus.
Danach wird es schräg und teilweise diffus. Gongaga besteht aus Wäldern und verschiedenen Ebenen die nur auf eine Weise bereist werden können, Cosmo Canyon hat ebenfalls viele Höhlen, Schanzen und Luftzüge um hin und her zu fliegen. Nibel ist kompakt, jedoch nervt hier das Wasser.
Die ganzen typischen Open World Aufgaben sind da, müssen aber nicht gemacht werden um durch das Spiel durchzuspielen. Leider müssen Esper ebenfalls als Fech Quest herhalten um die Dienste von Ihnen in Anspruch zu nehmen.
Was also bleibt ist ein stellenweise imposantes Remake des "Mittelteils" welches sich die meiste Zeit über
richtig anfühlt und sehr viel Spaß macht.
Leider waren die Entwickler nicht konsequent genug sich zu entscheiden ob es eher ein Remake oder ein Retelling sein soll und so springt Rebirth immer zwischen den beiden Graten hin und her.
Das Ende jedoch ist wie oben schon erwähnt vollgepackt und zieht sich dermaßen in die Länge, dass man irgendwann nur hofft das es zu Ende geht.
Nun heißt es weitere 4 Jahre zu warten, um das Ende von Naoki Hamaguchis Version des wohl größten und wichtigsten RPGs aller Zeiten zu erleben. Und auch jetzt gilt für mich: Ich will es lieber heute als morgen sehen. Und gerne mit Übernahme meiner aufgestuften Materia.
Wertung: 8.5/10