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1986

Gast · 6 · 4021

southflorida

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Der Videospielmarkt am Boden...

Und dennoch hatte sich das Atari VCS im Weihnachtsgeschäft '85 gut verkauft, Nintendo in den Testmärkten das "Entertainment System" mit seinem "Control Deck" (das Wort "Games" wollte niemand mehr in den Mund nehmen) ebenso, so dass bald der allgemeine Release des NES in Nordamerika folgte.

Sega kam mit dem Mark III (eigentlich Endpunkt der SG1000 Entwicklung) in die USA und nannte es "Master System". Nach Japan kam dann das Mark III im Jahr darauf mit verbessertem Soundchip zurück und das Produkt wurde dort auch zum Master System.
125.000 Master System wurden in Nordamerika 1986 verkauft, das eher doofe, technisch minderwertige NES schaffte 1.1 Millionen, dank Knebelei der Softwarehäuser. Einzige Third Parties für Sega in den USA: Parker und Activision (die damals aber viel kleiner als heute, geradeso die Pleite abgewendet nach dem Crash der Videospiele).

Atari hatte bereits im Mai 1984 das Atari 7800 vorgestellt, das im Juni 1984 sogleich auf Testmärkte kam und eigentlich während der Olympischen Spiele 1984 (da war Atari Hauptsponsor, man sieht, WIE groß die damals noch waren) mit 13 Titeln gelauched werden wollte. Nicht allein der Wechsel zu Jack Tramiel, der bekanntlich im Juli 1984 nach feindlicher Übernahme sehr rigoros fast allen "Gaming-Kram" bei Atari wegen des Videospiel-Crashs strich, sorgte für den Stop, sondern div. Nachverhandlungen und ausstehende Zahlungen mit dem Hardware-Entwickler (das 7800 war von einer anderen Firma für Atari designed worden).
Im Frühjahr 1986 folgte endlich der Release der Konsole. Tramiel wollte keinen großen Focus mehr auf die Konsole setzen, sondern hoffte auf etwas Nebenerwerb, um weiter auf die Atari ST-Computer setzen zu können, in denen man die Zukunft sah.
Ende 1986 gab es ganze zehn Spiele für Atari 7800 bei 100.000 Käufern (am Ende sollte jedoch 7800 das in den USA reichlich glücklose Master System noch überholen und Zweiter werden). Master System hatte 20, das NES knapp 40.
In Europa konnte man die Konsolen nur vereinzelt erwerben.

In Europa regierten Heimcomputer. Der C64-II ersetzte den alten Brotkasten, der Amiga1000 blieb viel zu teures Nischenprodukt, der Atari ST gewann Boden und Schneider vermarktete die Amstrad Modelle CPC 464, 664 und 6128 in Deutschland mit achtbarem Erfolg. In England rockte der Sinclair Spectrum. Nach unten hin rundete Commodore die C64-Serie mit den Billigmodellen C16/Plus4 ab, die mit weniger Speicher und ohne Hardwarescrolling daherkamen. Kingsoft glänzte auf dem C16, doch ansonsten blieb das Billigmodell in der Nische (wurde allerdings im damals noch abgeschotteten Ostblock beliebt).

Beim Personal Computer gab es für etliche (!) Tausend Mark nunmehr 80286er, die deutlich schneller waren als die 8086/8088er. Und der 80386 stand in den Startlöchern, sollte erstmals nicht zuerst in einem IBM stecken, sondern in einem Compaq. Für Spiele alles ziemlich ungeeignet.

OUT RUN revolutionierte die Arcades, aber erst 1987 wurde ich auf den Automaten aufmerksam.

Für mich war 1986 der Einstieg ins Zocken, los ging es auf dem Schneider CPC mit JET SET WILLY, MANIC MINER, BINKY und KARL'S TREASURE, vier Spielen auf einer Disk (10 DM oder so), von denen ich besonders JET SET WILLY über Monate hinweg spielte, ein unglaublich faszinierender Titel.
Über das Jahr war ich mit diesen Titeln glücklich, auch aus heutiger Sicht gute Spiele!

Auf dem Zeitschriftenmarkt gab es nichts an reinen Spielepublikationen, nachdem die TELEMATCH als Folge des Game Crashs eingestellt worden war. HAPPY COMPUTER, c't und 64er befassten sich nur auf wenigen Seiten pro Heft mit Spielen, allerdings gab es bereits Sonderhefte der Happy zum Thema Spiele.

Als größere Ereignisse 1986: das Tschernobyl Reaktorunglück öffnete (m.E. erstmals überhaupt) die Sensibilität bezüglich Kernkraft. Das Challenger Space Shuttle explodierte kurz nach dem Start. Boris Becker gewann erneut Wimbledon, Steffi Graf konnte erstmals die Weltranglisten-Erste Navratilova schlagen und wurde berühmt.



Clorell

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Den Videospielemarkt der 80er finde ich sehr interessant. Was es da alles an Konkurrenzprodukten gab, Wahnsinn. Arcade-Automaten waren damals nicht selten auch in Kaufhäusern, Pizzerien, Gaststätten und sonstwo zu finden. Ich erinnere mich noch gut, an die eine Pizzabude in der Oststadt mit Pac-Man darauf. Das war 1985. In der Innenstadt hatte das Warenhaus Hertie ebenfalls einige Automaten stehen, an denen ich mich 1985 oder 1986 herum versuchte. Die Kaufhalle hatte im Untergeschoß neben der Treppe auch drei Automaten stehen. Das wirkte damals schon abgefahren. Aber zu dem Zeitpunkt mit knapp fünf, sechs Jahren, war mein Interesse an Videospielen noch nicht wirklich vorhanden.

Der Sohn von der einen Cousine meines Vaters hatte damals um 1985 schon zwei Computer zuhause stehen. Den C64 und beim zweiten Computer bin ich mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, das war ein Schneider-Computer. Ist aber einfach zu lange her und ich weiß zwar noch unglaublich viel aus der frühen Kindheit, aber eben natürlich nicht mehr alles. Wir waren bei seiner Cousine ja oft zu Besuch und im Laufe der Jahre kam ich immer wieder in den Kontakt damit, auch mit dem NES (Hatte es aber damals bei ihm nie in Aktion gesehen.) , das er ja ebenfalls bereits 1986 hatte.

Mit dem C64 und anderen damaligen Heimcomputern, konnte ich aber nie wirklich was anfangen. Die meisten Spiele, ich damals auf dem C64 zu sehen bekam, fand ich ehrlich gesagt ziemlich müllig. Später mit Amiga konnte ich übrigens auch nur sehr wenige anfangen. Vor allem in Europa kamen auf diesen Systemen so viele Müllspiele heraus, das sich mein Interesse daran äußerst gering hielt. Für mich selbst fingen Videospiele erst richtig mit NES und Master System an.

Alles andere vorher waren für mich mehr Experimente, bis man in der Lage war, Spielewelten wie auf dem NES zu zeigen, mit Spielen wie Super Mario Bros., The Legend of Zelda, Mega Man, Wonder Boy oder Alex Kidd. Ab diesem Zeitpunkt waren Videospiele meiner Meinung nach langsam aber sicher ernstzunehmend. Alles vorher, mit Sachen wie VCS 2600 und co. waren für mich noch keine Videospiele, sondern größtenteils unerträglicher Schrott.

Klar, später gab es auch auf C64 und Amiga einige ziemlich gute Spiele, aber das war dennoch nie meins. Der eigentliche Beginn in der Videospielewelt war bei mir aber erst 1990 so wirklich. Ich war einige Mal bei einem damaligen Klassenkameraden, der im Nebeneingang wohnte. Der hatte ein VCS 2600 und ein NES. Bei ihm spielte ich erstmals Mega Man 2, sowie Super Mario Bros. 1/2. Ab da wurde ich erstmals so richtig heiß auf Videospiele. Es sollte aber noch bis September 1992 dauern, bis ich erstmals selbst eine Konsole hatte. Da gab es von meinen Eltern das VCS 2600 und im Dezember an Weihnachten dann, das Mega Drive im Magnum-Set (Sonic 1, Columns, Italia 90, Super Hang-On). Ab da bin ich erst so richtig eingestiegen. Man kann aber sagen, daß ich nun seit über 30 Jahren nun zocke. Es hat mich einfach nie wieder losgelassen. Die Welten von Nintendo und Sega waren einfach zu geil und als die Playstation dazukam, gab es in der Welt der Videospiele so ein gewaltiges Beben an guten Spielen, daß man nicht mehr wußte wo man anfangen und aufhören sollte.
Möge die Macht mit Dir sein.


docower

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1986 war das Jahr als ich meine erste eigene Konsole mein eigen nennen durfte. Das war ein Atari 2600jr zusammen mit "The Empire strikes back". Zuvor hatte ich allerdings schon 1984 den Commodore 116 mit Datasette und den C16 (warum ist mir schleierhaft ist ja eigentlich ein und dasselbe System gewesen) ordentlich bespielt. Die Spiele darauf waren ziemlich unspektakulär und außer Spikey Harold, Squirm und Kickstart ist mir keines im Gedächtnis geblieben. Richtig los ging es bei mir erst mit dem C64 im Jahre 88. Danach war ich C64 Jünger. Konsolenspiele wie auf dem NES und Mastersystem sahen zwar ganz hübsch aus aber der C64 bot für mich eine Vielfalt die bis heute noch unschlagbar ist. Es gab viel Spreu aber umso mehr Weizen ich glaube ohne den C64 gäbe es einige Genres heutzutage garnicht. Quasi jeder konnte für den Brotkasten entwickeln da der Datenträger frei zugänglich war. Coole Innovative Zeit
« Letzte Änderung: Juli 21, 2020, 10:09:14 Vormittag von link »


southflorida

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Das Master System, zusammen mit der FM Sound Unit, ist meiner Meinung nach gefühlt schon eher an den 16-Bit-Konsolen dran wie an den 8-Bit Geräten wie Atari 7800 oder NES. Schade, dass der reguläre Soundchip im Master System sooo schwach ist.

Naja, die Sprite Hardware kann man getrost als "schwach" verbuchen, wobei einige Spiele echt was aufzeigten, z.B. DARIUS SAGAIA oder POWER STRIKE 1 und 2.
Der Soundchip war nichts Unübliches, der steckte auch im Atari ST.

Grundproblem beim Master System wohl die Standard-Entwicklungszeit von drei Monaten pro Spiel und (ich vermute) die Starrheit der Japaner.
Gab einen früheren Atari-Spieleentwickler, der für Sega entwickelte und eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen z.B. zu CASTLE OF ILLUSION (Mega Drive) schickte und dann kam nur lapidar-arrogant: "keine Kapazitäten". So beschrieb er das im Interview.
Ich glaub, es war nicht gut, dass Sega da so sein Ding vor sich hin werkelte ohne interne Konkurrenz. So gab es eine jahrelange Stagnation...

Einige Briten wie Tecmagic haben das Master System gekitzelt, man schaue sich nur mal NEWZEALAND STORY an, aber da war es zu spät, da waren selbst die 16-Bitter schon über ihrem Zenit...

Anfangs programmierte Sega für Europa alles selbst, Activision und Parker brachten nur für Nordamerika Spiele, wo das MS bald tot war. Einer der wenigen Japan-Publisher war Compile.
In Europa wurde das MS zunächst 1987 nur fremd vertrieben (in Westdeutschland von Ariolasoft) und es tröpfelten unfassbar langsam in rund zwei Jahren die rund 40 Module rein, die es bis dahin gab.
Erst als dann gegen 1988/89 sichtbar wurde, dass das Ding in Europa recht gut lief (vor allem in England und Italien, in letzterem sogar ohne Konkurrenz), begannen Publisher wie U.S. Gold, Tecmagic usw. mit der Entwicklung... und da gab es durchaus Könner.

southfloridas Fun Facts Master System:
- meist installierte Hardware Plattform in Europa as late as 1993!
- in den USA nur Dritter hinter NES und Atari 7800.
- MS war die erste Plattform, wo die Grafik auf dem Bildschirm besser war, als die Packungen... so war die Werbung. Die Packungen waren ja anfangs tatsächlich sehr simpel gestaltet.
« Letzte Änderung: Juli 21, 2020, 10:23:25 Vormittag von southflorida »


docower

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