Weil das grade im Switch 2 Thread anklingt und interessant ist.
Konkret geht es darum, dass alle Hersteller irgendwie von Spielen auf Medien wegkommen wollen. Verstehe ich aus Herstellersicht total (billiger, besser kontrollierbar), aus Kundensicht bin ich total dagegen.
Ich hab dann drüber nachgedacht wie haltbar Spiele eigentlich früher waren und dann ist mir was aufgefallen.
Spiele bis in die 32-Bit-Generation, da gibts unglaublich viele Möglichkeiten. Alte CDs, ROMs, Emulation, FPGA... aber ab der PS2 / XBox-Zeit wird's eng.
Klar, es gibt da noch Emulatoren, und einige ISOs kann man herunterladen, aber spätestens ab der PS3 / 360-Generation wird's da echt mager. Es gibt sogar einige Spiele, die damals auf Disc erschienen sind und die heute nicht mal irgendwo digitalisiert sind.
Generell gibt es zwar hier und da Remaster alter Spiele aus der Zeit, die jetzt auch schon wieder fast 20 Jahre zurückliegt, aber die Spiele scheinen immer schwieriger erhältlich zu sein.
Langsam geht da eine ganze Generation verloren, hab ich den Eindruck.
Und viele Spiele ab der PS4 Generation sind zwar auf Disc, aber teilweise extrem verbuggt - sehen wir ja teilweise in Threads hier.
Hab ja mitbekommen wie viele hier generell gegen digitalen Vertrieb sind, weil Spiele dort verloren gehen können (oder ausgelistet) - aber sind wir da nicht schon seit fast 20 Jahren mittlerweile in dem Problem.
Bei PS4 hab ich zumindest noch ganz viele der Spiele einfach von der Retail Disc genutzt und sie waren prima spielbar (einige verbuggte Ausnahmen gab es wohl, aber es war in der Regel schon noch völlig in Ordnung, ich war ja überwiegend offline).
Digitaler Vertrieb ist nicht unbedingt ein Problem: ich war ja erstmal absolut gegen Steam. Warum? Weil Steam seinerzeit einfach übergestülpt wurde. Erstmal fing Valve damit bei seinen Spielen an, die damals aber noch mehrheitlich als Disc vertrieben wurden und deshalb brachte es einen Ekelgeschmack mit sich, dass man das damals in erster Linie online registrieren musste. Viel schlimmer: innerhalb weniger Jahre, so bis etwa 2010, nutzten fast alle im Retail erhältlichen Spiele diesen Zwangsaccount. D.h., man ging in den Laden, kaufte ein beliebiges PC Spiel, und musste sich nun mit einem Zwangsaccount herumschlagen. Das ist so, wie wenn man Marmelade kauft, man muss aber noch ein Nutzerkonto bei Kaufland besitzen (auch wenn man die Marmelade bei Aldi kauft) = geht gar nicht!
Heute hat sich das in großem Stil gewandelt: man KANN bei Steam vielfältig Spiele kaufen (man MUSS es aber häufig nicht zwingend, es gibt auch andere digitale Vetriebssysteme). Hat man im Fall von Steam das Spiel gekauft, kann man es auf verschiedenen Systemen nutzen, "nimmt seinen Account mit". Wer 2015 angefangen hat, auf einem PC Spiele zu kaufen, der kann sie 2025 auf seinem neuesten PC einfach nutzen.
Das Problem besteht, sobald der Anbieter einer solchen Vertriebsplattform pleite geht (oder verkauft wird, etc. etc.). Dann sind die Spiele weg. Allerdings: wer z.B. einen C64 gekauft hat, eine Floppy dazu und "Ultima IV", dessen Vergnügen damit ist auch spätestens dann beendet, wenn entweder die Floppy im Sack ist, oder eine der Disketten selbst kaputt ist. Und das lässt sich auch auf andere Dinge des Lebens übertragen: wer eine schöne Blumenvase kauft, und der doofe Handwerker zerdeppert sie, der muss auch sehen, dass diese Vase nicht mehr herstellbar ist.
Bei Atari VCS und so weiter war schon in den frühen 1980ern absehbar, dass die Module an sich über kurz oder lang irgendwann unrettbar verloren sind. Noch viel wahrscheinlicher ist der Verlust einer Diskette... all diese Medien haben eine begrenzte Lebensdauer. Nicht nur das: wer 1994 mal eine ihm wichtige Liste auf dem Personal Computer angelegt hat (mit WordPerfect? Mit Word 4.0?), wird es heute schon schwerer haben, diese noch irgendwie lesbar darstellen zu können (auch wenn es irgendwie -- womöglich unter Verlust nur der Formatierungen -- noch gehen wird).
Bei den Spielen ab der besagten Xbox360/PS3 Ära kommt das Problem dazu, dass die Patcherei, das Flickwerk (im wahrsten Sinne des Wortes!) die Spiele zerfetzt! Bei Xbox 360 hatte man nicht einmal die Möglichkeit, Patches "irgendwo abzulegen" -- die lagen doch im Cache der Konsole! D.h. nicht einmal auf der Harddisc, sondern es gab irgendeinen Cache dafür. Für zwei, drei Spiele im Betrieb blieb der natürlich sehr begrenzte Cache erhalten (wechselte man sein Lieblingsspiel öfter, musste die Konsole den Patch erneut downloaden) -- aber wenn man "Oblivion" nach vier Jahren wieder herauskramte, konnte man sicher sein, dass längst keine Patchdateien von Oblivion mehr im Cache lagen.
Man kann nur sagen: selbst schuld. Selbst schuld sind die Entwickler, die das "einreißen" haben lassen, selbst schuld sind die Spieler, die so etwas unterstützt haben, wo ein southflorida immer wieder zuweilen schrie:
"warum macht ihr diese Sch* mit?"...
Viel Spaß an alle (Entwickler, Kunden, Museen), die wieder ihre iPhone 2,3,4 usw. Spiele haben wollen... die frühe iOS Software ist komplett im Nirwana (aber offenbar auch nicht so relevant, dass ihr all zu viele heute wirklich hinterher rennen). Wer noch so ein altes iPhone sitzt, kann die Spiele noch nutzen, aber der Zahn der Zeit nagt dran.
Und neue Dinge im Abo, wie Apple Arcade usw.: "Finger weg", sag ich da nur... das, was da aktuell läuft, ist wohl dazu verdammt, irgendwann im kompletten Nirwana zu landen...
Und Nintendo? Dass die nun auf diesen Zug so aufspringen, ist nur zu typisch, was deren Altmodischkeit unterstreicht. Denn inzwischen sind viele Hersteller auf den Trichter gekommen, dass exakt dieser Weg falsch ist, dass Dinge wirklich verloren gehen. Selbst ein Laden wie Microsoft schert sich inzwischen (zumindest punktuell nach außen hin) darum, die alten Dinge zu bewahren. Getan wird dafür allgemein immer noch viel zu wenig. Die "irgendwann demnächst" ausfallenden PS4 Batterien werden einen nächsten Reigen "für immer verlorener" Spiele öffnen.
