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Dein RAM-Bedarf über die Jahrzehnte

southflorida

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4 MB war die Mindestanforderung für Windows 95... und der Windows 95 Desktop entsprach im Großen und Ganzen dem Desktop von heute. Vorher war das alles schon noch deutlich anders. Aber bei Windows 95 oder NT 3.51: man konnte Browser öffnen, Bildbearbeitungsprogramme, Office, einen Taschenrechner oder Notizen (ganz so war es noch nicht: streng genommen hatte Windows ab dem Internet Explorer 4 die eng verzahnte Shell aus offline und online Content, wie sie heute noch üblich ist). Das ist "ähnlich" wie die Computernutzung 2024 bei rund einem Tausendstel des heutigen RAM Bedarfs (Windows 11 verlangt 4 GB).
Im Büro hatte ich nicht 4 MB, sondern 16, was damals schon nicht mehr üppig, aber ordentlich war. 32 MB hatten luxuriöse, damals brandneue Pentium MMX Komplettsysteme. Und als der IT-Chef und ich Ende 1997 nicht auf 32 MB, sondern gleich auf 64 aufrüsteten, kam mir das ungeheuer großzügig (übertrieben) vor.

2002 waren die 64 MB das unterste Limit für das damals gerade einige Monate junge Windows XP. Selbst billige Komplettsysteme vom Discounter boten eher schon 128 oder gar 256 MB. Und auch da wollte ich großzügiger sein, gerade ein Photoshop hat es spürbar gedankt: als die SD-RAM Preise im Vorjahr in den Keller gerauscht waren, rüstete ich mein Altsystem auf 512 MB auf. Auch der später neu hinzugekommene Pentium 4 ging mit dieser üppigen Ausstattung an den Start.
Windows konnte dabei abseits Bildbearbeitung nur in den NT-Versionen damit wirklich umgehen... für die 9X-Versionen war mehr als 128 MB oft sinnfrei. Aber ein Windows 2000 lief mit 512 statt 64 MB einfach wie eine Eins.

2007... die einst üppige Menge RAM wiederum absolut am unteren Limit. ;) Windows Vista kroch zwar auch schon mit 512 MB, 2 GB war aber eher angebracht und ein etwas verrückter Kollege hatte 4 GB, wo ich dachte: wozu? ;) Ich selbst hatte inzw. einen Mac mini mit Tiger und 1 GB waren mehr als ok, selbst für ausgiebige Bildbearbeitung.

2012 waren es eher die billigsten (Windows) Tablets, die 1 GB RAM mitbrachten... und ein gut ausgestatteter PC? 8 GB? Damals spielte es noch eine Rolle, dass Software seinerzeit zumeist 32-bittig war, mehr als 4 GB konnte auch ein Photoshop lange nicht adressieren. Die große Umstellung stand erst bevor. Auch die Antreiber der Technikspirale, Spiele, blieben lange an dieser 4 GB Hürde hängen. Das Ei-Henne-Problem: haben nur wenige Leute 64-Bit Hardware, lohnt es sich aus Massenmarkt-Gesichtspunkten nicht, für "mehr Power" zu produzieren. Und selbst die Spielkonsolen (oft Lead-Plattform) hingen damals "noch" bei unter 1 GB RAM herum. Bringst ein deutlich kraftvolleres PC-Spiel für eine dort schon begrenzte Zielgruppe, kriegst du es nie auch nur ansatzweise für die Spielkonsolen umgesetzt.

Das hatte sich 2017 so weit gewandelt, dass nun endlich das Gros der Systeme 64-bittig war... Windows, Linux und Mac OS kamen standardmässig in 64-Bit Varianten. "Powervolle" PCs hatten auf einmal 16 Gigabyte, die Konsolen gingen auch in diese Richtung. Die kleinsten Tablets hatten nun zumeist 2 GB. Auch Smartphones spielten in dieser Liga. Noch hatte sich die Windows-Architektur nicht allzu sehr geändert (die künstlichen Limitationen von Windows 11 standen erst bevor).

2024 ist schon ein Android Smartphone der 150€-Klasse (!) locker mit 4 GB ausgestattet. Im PC-Bereich setzt Windows 11 diese Speichermenge als Minimum voraus, was z.T. kritisiert wird, aber ehrlich gesagt kostet so viel (bzw. wenig) Speicher auch "nix" mehr. Auch auf 'nem schlank geprügeltem Linux System willst du bei Nutzung von Browsern und weiteren Apps eigentlich nicht weniger haben. Mit 4 GB bist du am "unteren Anschlag", wie du es 1997 mit 4 MB warst. 16 GB? Normal, selbst bei Büro PCs... Multimedia, Spielen, Videoschnitt, Rendern? 32 GB wären luxuriös,  64 GB kämen mir unglaublich großzügig (um nicht zu sagen: übertrieben) vor...
Was meinst du?

RAM-Bedarf min. max.
1997  4 MB / 64 MB
2002  64 MB / 512 MB
2007  512 MB / 4 GB
2012  1 GB / 8 GB
2017  2 GB / 16 GB
2024  4 GB / 64 GB


docower

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Es ist schrecklich, wie schlecht moderne Software den Speicher ausnutzt. Software-Entwicklug ist so faul und abhängig geworden. Alles läuft nur noch im Browser (an Businessanwendungen). Und weil keiner mehr ordentliche Browser-Anwendungen vom Kern heraus machen kann, werden nur externe Bibliotheken und Frameworks verwendet.

Früher hattest du ein Microsoft Word, das lief in Windows 95 als Anwendung. Windows 95 war das Betriebssystem, Microsoft Word die Anwendung. Deswegen konnte man 300-Seiten-Wordfiles auf einem 8 MB-PC schreiben 1997.

Heute? Da läuft Word im Browser. Angezeigt wird Word, das läuft auf einer JavaScript-Schicht im Browser, und über JavaScript wird eine ganze eigene UI gezeichnet. Die Anwendung interagiert mit seinem Framework, das erstmal hertunergeladen wird (wobei mehr Abhängigkeiten zu anderen Frameworks bestehen, die auch alle geladen werden), das Framework interagiert mit dem Browser, der Browser interagiert mit dem Betriebssystem.

Boom, schon braucht der Browser 1,2 GB Arbeitsspeicher.


Schlimmer ist es ja nur noch bei Software, die so tut als wär sie eigene Software, aber auch in einem Browser läuft, wie modernes Photoshop z.B.

Da läuft die Anwendung in JavaScript in einem Browser, der aber kein Browser ist sondern so tut als wäre er ne Anwendung, die Anwendung lädt aber eigentlich nur ne Browser-Engine.

Total gaga alles heutztuage.


southflorida

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Hab ich gar nicht realisiert, dass das SO extrem ist.
Und dann gibt es natürlich auch immer weniger Programmierer alter Schule, die auf jedes Byte zuviel geachtet haben.


Legio X

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Bin mit 640 kB und Dos 5.0 voll zufrieden  :D

8 GB auf meinem Laptop reichen noch mit Win10 und Office.


docower

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Wohlgemerkt, für Tasks die du unter Windows XP mit Office 07 mit 512 MB ausgekommen wärst.

Das ist ja der Witz. AN SICH sind weder im Web noch in der Office-Welt die Möglichkeiten größer als 2007. Der einzige Grund warum man heute nicht mehr mit 512 MB im Web surfen kann ist, weil die meisten Website hunderte Megabyte an Javascripts im Speicher haben müssen für jede einzelne Website.


southflorida

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Das speziell hat eine katastrophal negative Entwicklung genommen.

Bei Blender sind die Probleme eher gemächlich – da hatte ich bei 4 GB irgendwann Problene, wenn die Dateien so groß werden, dass das OS nicht mehr alles ins RAM laden kann. Da merkte man mit 8 GB Entlastung bei sehr großen Projekten. Man lernt wirklich, Texturen besser zu komprimieren (geht alles!) und aufzupassen, was man tut. ;)

Der Witz ist, dass ein Windows Vista (XP war in 99% der Fälle 32-bittig und daher für heutige Zwecke eher Mist) mit Blender sehr genügsam wäre, denn Vista lief auch noch mit einem halben GB und dann hätte man richtig viele GBs für die eigentliche Arbeit.
Windows Vista 64 Bit wäre im Grunde gut. Aber bei den alten Systemen ist wieder das Problem, dass die mit heutigen Prozessoren, Grafikchips usw. evtl. nicht gut laufen etc.

Photoshop CC ist auch richtig übel geworden. Hab da jetzt ein vor acht Jahren gekauftes Photoshop Elements installiert (CC mach ich nicht mehr mit, das ist so dermaßen schlecht geworden) und ich war selbst erst mal erstaunt, wie flink das alte gute Stück ist.
Bei Photoshop Elements ist auch – ich wiederhole mich – nahezu alles dabei, was ein Photoshop hat, wenn man nicht gerade Druckvorstufe für professionelle Publikationen macht, geht fast alles. 99.5% der Photoshop Nutzer könnten auch Photoshop Elements benutzen.

Blender hab ich in Version 2.7x... schon 2.8 und 2.9 sind (auch wenn die Versionsnummer anderes suggeriert) riesige Sprünge und inzwischen gibt es 3.x, aber das wird alles nicht schlanker und hat immer höheren Speicherbedarf.
Da bleib ich lieber bei älterer Software.