OUT RUN war das Spiel, das mich 1987 absolut fasziniert hat. Ich hatte auf Schneider CPC bis dahin so ein paar Rennspiele, einfarbig graue Fahrbahn, einfarbig grüne Fläche drumherum, einfarbig grauer Himmel, das war es. Bei Out Run sah man Getreidefelder, Bauwerke am Straßenrand, es gab Hügel und es gab Verzweigungen der Strecke, das war alles so atemberaubend.
Nie konnte ich in die Arcade rein, 1987 war ich einfach zu jung. Ich starrte immer nur fasziniert auf den von außen gut sichtbaren Out Run Automaten. Wenn ich Glück hatte, spielte mal jemand, dann sah man auch andere Strecken als die im Demomodus gezeigten Standardstrecken -- wenn der Spieler gut war, meist war in Stage 1 Schluß.
Als wir im Dezember 1987 in Miami waren, wurde der Traum wahr: OUT RUN stand unten im Hotel (neben ca. 15 anderen Spielen), und als Kind durfte man in den USA zocken. Mit Quarter Dollar Münzen musste man den Automat füttern und ich sammelte die, wann immer es irgendwo Wechselgeld gab.
Im Frühsommer 1988 kaufte ich für hart ersparte 59 Mark OUT RUN für Schneider CPC und die Enttäuschung war brutal. Als ich kurz darauf im Sommer 1988 erstmals das Master System in Action sah, wo OUT RUN einigermaßen annehmbar aussah, war klar, wohin der Weg führen musste: 299 Mark fürs Master System sparen. Das Ding spielte auch viele andere Automaten in brauchbarer Qualität ab: WONDERBOY, AFTERBURNER, WONDERBOY IN MONSTERLAND, THUNDER BLADE... es war schier UNMÖGLICH (und in dem Taschengeld-Alter nicht daran zu denken), 100% in Automatenqualität zuhause zu spielen (2400 DM hätte ein Gehäude + Platine eines einfachen Automaten wie WONDERBOY gekostet) und mit dem Master System wurde zumindest ein annehmbarer Kompromiss gefunden.
Das hat mich alles geprägt: Sega war das Geilste überhaupt, Power Play und Co. waren wichtig, um sich über die Qualität von Spieleumsetzungen zu informieren. Wer einen C64 oder Amstrad/Schneider hatte, bekam oft schlimme Automatenumsetzungen (dass es trotzdem gute Spiele für diese Computer gab, vergass ich im Dogma gern und viele andere auch: auf dem Schulhof stand ein Spectrum- oder Atari XL-Fan schon etwas im Regen, während immer mehr Leute die aufstrebende Plattform Amiga besaßen); mit Atari ST, Amiga stand man besser da, aber die waren unbezahlbar teuer. Master System war ein Mittelweg, ganz anständige Qualität, für die man nicht extrem reich sein musste, freilich war es noch ein langer Weg, bis ich es endlich hatte.
So 1991/92 sah ich mich auf Profi-Niveau: ein Stapel Master System-Spiele, Mega Drive bereits im Auge, die Video Games wurde regelmässig gekauft und für die vielen Amiga-Besitzer (eigentlich stärker, als 8 Bit Sega) hatte ich eher ein Lächeln über: die spielten Sachen, denen gegenüber war eine PC-Engine oder Mega Drive spielerisch so haushoch überlegen. Ich meine, ehrlich, TURRICAN 2 war das Einzige, was es mit den Kondolenkrachern aufnehmen konnte (und Factor 5 verstanden das, dass die Japaner einfach Meilen voraus waren). Aber in den Diskettenkästen lagen bei denen eben auch BARBARIAN, TEST DRIVE, EMANUELLE, KULT, SAVAGE und STRIP POKER... :/
Bald zumindest vom Ausweis her erwachsen, durfte ich im Laufe der 1990er auch endlich in die Spielhalle, erst RAD MOBILE von Sega, MORTAL KOMBAT II, RAIDEN, und dann kam bald eine neue Generation wie RIDGE RACER, DAYTONA USA, RAVE RACER, TEKKEN, VIRTUA FIGHTER... DAYTONA 2, SEGA RALLY 2, LE MANS, HOUSE OF THE DEAD 2 markierten in den End-Neunzigern die Blütezeit, aber auch das langsame Ende.