Capcom schafft es immer wieder seine eigenen Marken behäbig weiterzuentwickeln und neue Ansätze zu schaffen die bei den Spielern mal mehr mal weniger gut ankommen.
Der Popularität der Spiele hat dies nur selten Abbruch getan.
Die letzten Jahre waren für Capcom Fans ein Genuss, es gab zwei große Monster Hunter Spiele, zwei mehr oder weniger sehr gute Remakes alter Resident Evil Spiele und ein neues Abenteuer mit Dante und Co.
Die Hauptattraktion Capcoms war jedoch immer und immer wieder Resident Evil.
Mit dem 7. Teil wurde die Serie neu erfunden und wanderte mit der Ego-Perspektive auf einen schmalen Grat zwischen Moderne und Tradition. Auch wenn die neue Perspektive für viele Spieler zunächst eine Umgewöhnung war, so konnte das Gameplay recht schnell diese Angst nehmen. Auch das Setting war ein gänzlich anderes. Statt Zombies wurde Ethan von Hillbillys verfolgt, Labore oder eine verseuchte Stadt mussten den amerikanischen Südstaaten weichen.
Jetzt, mit dem neusten Teil der Hauptreihe verfrachtet uns Capcom nach Rumänien, inkl. aller Klischees.

Ethan und Mia sind nach den Ereignissen aus dem Vorgänger in einer Art Zeugenschutzprogramm nach Europa umgesiedelt. Mit Ihrem Nachwuchs Rose leben Sie Ihr beschauliches, stellenweise romantisches und traumhaftes Leben als Familienmenschen.
Die Idylle hält nur kurz an, denn noch im Prolog stürmt Chris Redfield und sein Einsatzkommando das Haus der Winters, erschießen Mia, entführen Ethan und Rose und nebenbei verkauft und Capcom Chris als neuen Schurken.
Ein turbulenter Start in das Abenteuer, welches quasi jetzt beginnt.
Im namensgebendem Dorf werden Überlebende gesucht, Fragen werden beantwortet und neue Fragen aufgeworfen und ganz nebenbei lernen wir die großen Schurken des Spiels kennen.
Um Rose zu retten muss Ethan das ganze Dorf nach Hinweisen erkunden und story bedingt vier Obermotze erledigen, welche sich alle in Ihren eigenen Gebieten aufhalten…
RE Village schafft es die eigentlich dümmliche und an den Haaren herbeigezogene Geschichte gut zu verpacken und dem Spieler seine Momente zu präsentieren.
Logiklöcher und Szenen, bei welchen man nicht weiß ob diese belustigend oder gewollt bedrückend sein sollen wechseln sich im Tandem ab.
Im Nachhinein betrachtet ist dies wohl auch neben Resident Evil 6 die schwächste Story der gesamten Serie.
Auch Ethan als Hauptcharakter ist nicht “cool” genug wie Leon S. Kennedy oder Jill Valentine, ein Durchschnittstyp wie wir eben. Das Problem an der ganzen Sache: Wir reden hier von Resident Evil, hier wollen wir immer Spezialkräfte spielen die es mit zahlreichen Feinden aufnehmen und Großkonzernen das Leben zur Hölle machen.
Wenn ich ganz böse bin, könnte ich sagen, dass die Story absolut nicht nötig für das Spiel gewesen wäre. Noch nie haben mich Charaktere, die Konsequenzen oder das Ende mehr kalt gelassen als hier.

Dabei ist das Setting wie anfangs erwähnt sehr frisch.
Neben Werwölfen gesellen sich in einem riesigen Schloss auch Hexen hinzu, ein abgelegenes Haus dient als Rätsel/Horror Location.
An Abwechslung mangelt es nicht, die Horror Elemente sind definitiv da und zünden auch bei Spielen bei Nacht.
Was ebenfalls toll funktioniert: der tolle Wechsel zwischen den drei großen Gameplay Mechaniken “Kampf”, “Rätseln/Erkundung” und “Flucht”.
Sobald die Ermüdungserscheinungen beim Erkunden ansetzen, greift euch eine von Lady Dimitrescus Töchtern an und verwickelt euch in einem kampf.
Nach einer minutenlangen Fluchtszene, drückt das Spiel auf die Bremse und man darf wieder mit dem gewohnten Ruhepuls weiterspielen.
Das Kämpfen bzw. Ballern geht gut von der Hand. Ähnlich wie in den meisten Shootern ist die Steuerung präzise, die Gegner sind nicht übermäßig stark oder schwach. Munition wird gecraftet was selten zu Munitionsknappheit führt.
Negativ ist nur das Trefferfeedback zu erwähnen. Anders als im Remake der Teil 2 und 3 fühlen sich Pistolen oder andere Mordinstrumente einfach nicht kraftvoll und badass an. Auch die Reaktion mancher Werwölfe oder Vampire auf Schüsse ist nicht vorhanden.
Vom Gameplay erwarten Serienveteranen bekannte Mechaniken.
Die Kisten gibt es aufgrund des großzügigen Inventars nicht mehr.
Gespeichert wird an Schreibmaschinen und Waffen oder Gegenstände werden gefunden und/oder beim Händler gekauft.
Nach 16 Jahren kehrt in einem Hauptteil demnach also wieder ein NPC auf, welcher Waffen und Co. verbessert oder aber Schätze abkauft. Nicht nur dies ist eine Hommage an den großartigen 4. Teil auch das Dorfsetting, die verschiedenen sich stark unterscheidenden Level sind ganz klar vom Action Meilenstein inspiriert.
Ein besonderes Lob muss ich zwei Ansätzen machen.
Relativ früh im Spiel führt euch die Geschichte in das Schloss welches übermächtig über dem Dorf thront. Es ist spannend und gleichermaßen sehr spaßig die tollen, abwechslungsreichen Räume und Hallen zu erkunden welche prunkvoll ausgestattet sind.
Nebenbei wird Ethan von Lady Dimitrescu verfolgt welche das pendant zum Tyrant darstellt. Maggie Robertson verkörpert diese beeindruckende Figur derart überzeugend - eine ähnliche Performance hat es in der Reihe noch nie gegeben.
Die anderen Villans kommen nicht im Ansatz an die Hexen heran, haben aber dennoch Eigenheiten die Sie skurril und serien typisch besonders machen.
Der andere große Pluspunkt sind die Bosskämpfe. Diese machen tatsächlich Spaß und sind herrlich over the Top. Schwachstellen müssen gefunden, Waffen sollten clever eingesetzt werden und am Ende stirbt der Boss einen theatralischen und spektakulären Tod.

Besonders schwer ist RE Village nie. Wie erwähnt findet man eine gute Anzahl an Munition für die Waffen und Gegner sind nach den ersten zwei oder drei Begegnungen durchschaut, sodass man genau weiß wie die Gestalten klein zu bekommen sind
Neben dem Kampf bleibt auch immer die Flucht welche aber zugegebenermaßen nicht so spaßig ist wie die Konfrontation.
RE Village sieht auf den ersten Blick sehr schön aus, realistisch und das Gesamtbild kann voll überzeugen.
Die Schwächen werden erst beim Spielen deutlich.
So sind Umgebungsobjekte absolut starr und können weder bewegt, umgeworfen oder zerstört werden. Dies ist insofern seltsam, dass vor allem Kisten und Vasen mit dem Messer kaputt gemacht werden können aber Äpfel oder Gläser so steif sind, dass es sich hierbei um bemalte Steine handeln könnte.
Diese Dissonanz zieht sich durch das gesamte Spiel. Gräser bewegen sich im Wind, Vorhänge sind festgeklebt.
Wasser ist betretbar und kann auch optisch überzeugen - Einschusslöcher gibt es nicht oder sehen sehr unorganisch aus.
Im Dunkeln ist mir auch aufgefallen, dass die Helligkeit scheinbar crashed und absolut seltsam aussieht. Die verschiedenen Helligkeitsstufen um eine Taschenlampe herum, sind sehr stark abgegrenzt und wirken künstlich.
Die Sprachausgabe kann meist überzeugen, bis auf einige Stellen in denen ich Ethan seine Gefühle nicht abkaufe.
Die Musik ist on Point, Ohrwürmer konnte ich jedoch nicht erhören.
Die Waffen hören sich nicht so mächtig an, es fehlt der “Wumms” und das Wegfliegen der TV Boxen.
RE Village machte mir Spaß. Man darf eben kein ernsthaftes und story technisches Meisterwerk erwarten.
Das Spiel nimmt sich und die Serie stellenweise zu oft auf die Schippe was mir für einen Nachfolger Angst macht.
Dennoch, und das ist ein großes “dennoch”: Das Spiel macht Spaß, sehr sogar. Wenn ich mit der Pistole und Flinte bewaffnet durch Gegner spaziere, meine Tränke clever einsetzen soll und mit Horrorpassagen und Rätseln gut beschäftigt bin dann hat Village einiges richtig gemacht.
Backtracking? Quasi nicht vorhanden.
Der kleiner Open World Ansatz mit dem Dorf als zentralen Punkt? Seltsam, aber es funktioniert.
Ein Boss verrückter als der andere? Ich bin wieder zu Hause!
8.0 / 10 