PreyEcht ordentliche 22 Stunden hat es gedauert bis der Abspann/die Abspänne über meine TV flimmerte, sehr selten wurde es langweilig und spielerisch war es schon eine kleine Offenbarung mit vielen Aha Momenten. Wieso Prey trotzdem nicht mit den ganz Großen mithalten kann möchte ich euch kurz erläutern.
Durch enge Gänge schleichen, alternative Routen suchen, seine Fähigkeiten aufwerten, das Hacken...vieles an Prey erinnert an Deus Ex und seine Nachfolger. Aber auch die Bioshock und Half Life standen entweder vom Erzählstil oder aber beim Gameplay öfters Pate.
Prey beginnt mit einem ebenso großem WTF Moment wie sein spiritueller Vorgänger Prey aus dem Jahre 2006. Der Spieler ist auf sich alleine gestellt, Story entfaltet sich nach und nach und großartige Hilfen werden hier nicht auf dem Silbertablett präsentiert, man erarbeitet sich das Spielprinzip durch Lesen, Ausprobieren und Beobachten.
So sind zu Beginn viele Terminals durch Passwörter geschützt, für einige benötigt man Keycards. Will man wissen was sich im Email Postfach der User verbirgt sollte man sich auf die Suche nach Zugriffsmöglichkeiten begeben. Und auch hierzu muss man genauen Hinweisen folgen und Leichen, Schränke oder Dateien untersuchen. Oder aber man nutzt seine Aufgewertete Hacken Fähigkeit und versucht sich durch diese Zugang zu verschaffen.
Eine Tür ist durch einen großen Schrank versperrt? Entweder man powert seine Hebefähigkeit auf (und verzichtet so auf andere nützliche Eigenschaften) oder man sucht einen Alternativweg. Die Möglichkeiten die einem Prey bietet sind wunderbar, kaum zu glauben das es so lange gedauert hat um endlich wieder mal so ein Spiel serviert zu bekommen.
Doch nicht nur das Erkunden gehört zum Spiel auch die Action Abschnitte kommen mehr oder weniger auf euch zu. Hierbei stehen Waffen wie Schraubstock, Pistole, Schrotflinte oder Gloo Kanone zur Verfügung. Letztere ist das große Feature des Spiels. Eine Waffe welche klebartigen Schaum verschießt, welcher sehr schnell aushärtet und so Gegner Bewegungsunfähig macht bevor Herr Schraubstock oder Tante Flinte den Außerirdischen oder Maschinen den Garaus machen.
Die Gloo Waffe eignet sich aber auch hervorragend um Feuer zu löschen oder verrücktgewordene Schaltkästen außer Kraft zu setzen. Und zum Treppen bauen.
Ja genau, mit ein bisschen Übung werden so Wege zugänglich über die man vorher nie nachgedacht hat. In Prey wird das Denken außerhalb von Videospieldimensionen belohnt und gefördert.
Zu guter Letzt setzt euch das Spiel auch öfters mal in die Schwerelosigkeit um zu reparieren oder einen Alternativweg zu suchen. Auch diese Sequenzen machen Laune, stellen sie doch etwas komplett andere Anforderungen an den Spieler und den Orientierungssinn.
Die einzelnen Level sind mehr oder weniger miteinander verbunden. Von der Lobby aus erreicht man einige andere Bereiche der Talos 1 um in den Maschinenraum zu kommen muss man sich wiederum durch einen anderen Bereich schlagen. Und mit den G.U.T.S. sind viele Abschnitte verbunden.
Ja, man kann nicht leugnen, dass die Raumstation der heimliche Star des Spiels ist. Jeder Bereich der Talos 1 hat seine Eigenheiten und ist atmosphärisch verdammt gut umgesetzt. Der Reaktor besteht quasi aus einem riesigen Raum in welchem der Reaktor steht, die Besatzungsquartiere beinhalten die Kantine, eine Bar und natürlich die Wohnräume der Crew während die Hardware Labore mit allerlei Krimskrams gefüllt sind und Experementierräume bereithalten.
Der Geschichte und der Situation ist es geschuldet, dass die fast komplette Besatzung entweder tot oder verschollen ist. Der Hauptfeind sind außerirdische Lebensformen, welche wahnsinnig unterschiedlich sind. So sind die Mimiks kleine, spinnenartige Wesen die sich als alle möglichen Gegenstände tarnen können und wendig sind. Die Phantome stellen den Standardgegner dar, ein zweibeiniger Alien, welcher gut austeilt und Fernkampf beherrscht. Die Albträume als Extrem sind große Aliens, die zu den knackigen bossähnlichen Feinden gehören. Mit den Standardwaffen kann man wenig ausrichten und man sollte auch die Psy-Fähigkeiten nutzen. Hierzu zählen allerhand Perks wie zB die Bullet Time oder das Kontrollieren von mechanischen Gegnern.
Ihr wollt euch selbst mal wie ein Mimik in Gegenstände verwandeln? Auch hierfür gibt es eine Fähigkeit

Prey macht in vielerlei Hinsicht quasi alles richtig und trotzdem setze ich es nicht an den Shooter Thron.
Zum einen sind viele Textdokumente, Bücher oder Emails langweilig. So langweilig, dass ich es irgendwann früh aufgegeben habe diese komplett zu lesen. Was interessieren mich EMail Verläufe zwischen zwei Crew Mitgliedern wo sie Ihre Liebesprobleme bereden? Die Zeitungsartikel waren auch absolut nicht meins. Aber das waren diese Items noch nie für mich in Videospielen. Wisst Ihr wie viele Bücher ich in Oblivion oder Skyrim gelesen habe? Nicht eins.
Das Prey einen nicht so stark an die Hand nimmt begrüße ich aber bei den Aufgabenstellungen wäre etwas mehr Orientierung gut gewesen. So musste ich nicht selten herausfinden was das Spiel jetzt von mir will. Soll ich außerhalb der Station in die Besatzungsquartiere? Oder gibt es einen anderen Weg? Wie genau muss ich jetzt vorgehen wenn ich alles schon probiert habe? DAS kann auch gut und gerne als mein Hauptkritikpunkt angesehen werden, der schmale Grat zwischen an die Leine nehmen und mach wie du willst klappt stellenweise nicht super wie ich es gerne hätte.
Auch sind viele Charaktere auf die man trifft (entweder tot oder) sehr einfach und langweilig geschrieben. Richtig Mitgefühl hatte ich selten, einen richtigen Obermotz gibt es dank der Lore zwar nicht aber einen Widersacher, welcher präsent und ein Fixpunkt für den Spieler ist hätte mir gefallen.
Die Talos 1 ist zwar toll designt und bietet gutes Leveldesign aber ein Bioshock 1 oder Infinite zeigen auch Jahre später wie man Kunst, Außergewöhnliches und Atmosphäre besser und packender hinbekommt. Bevor wir jetzt zu sehr in Vergleiche gehen lieber mal das Fazit.
Prey macht für den Otto Normal Spieler fast alles richtig. Es sieht gut aus, hat erkennenswerte Soundjingles und überzeugt beim Gameplay. Ich hatte die Möglichkeit es jetzt durch PS Now zu spielen und bin froh es getan zu haben. Es hat mich mehr als 20 Stunden sehr gut unterhalten und besticht durch den Entdeckerdrang sowie die stellenweise dichte Atmosphäre. Einige Elemente sind in meinen Augen nicht so gut umgesetzt wie ich es mir gewünscht hätte. Und trotzdem reiht es sich für mich neben Mankind Divided zu einem der besten Shooter Adventures der Generation ein.