
Infamous und Sly waren bis dato die erfolgreichsten und auch bekanntesten Spieleserien. Und nicht nur das; Sly war ein Spiel welches gut und spaßig war. Durch den tollen Cell Shading Look und dem interessanten Setting des Meisterdiebes konnte mich der Waschbär damals in einem Bann ziehen.
Infamous in der PS4 Version hat bei mir den Sonderstatus das erste, richtig gute PS4 Exklusivspiel zu sein. Auch hier war das Spiel gut “durchpoliert”, hatte ein spaßiges Gameplay.
Die ganze Historie des Entwicklers änderte sich im Sommer 2020 als nun Ghost of Tsushima erschien. Hiermit hat Sucker Punch den Sprung vom “grundsoliden Entwickler” zum “Edelentwickler” geschafft. Das damit auch diverse Risiken verbunden sind zeigt der Weg eines CDPR. Aber zurück zu GoT.
Ghost of Tsushima lehnt seine Handlung an reale Ereignisse an. Tsushima ist der Name der japanischen Insel, die ihr im Spiel erkunden werdet. Tsushima liegt geografisch recht “ungünstig” was 1274 die Aufmerksamkeit der Mongolen auf sich zog. Angeführt von Kotun Khan, der es sich zum Ziel gemacht hat Japan zu erobern
landeten die Mongolen auf Tsushima und überrannten das Gebiet.
Lediglich eine Hand voll Samurai stellten sich ihnen entgegen, allerdings ohne jede Chance auf den Sieg. Genau hier setzt Sucker Punch mit Ghost of Tsushima an.

Ihr übernimmt die Rolle von Jin Sakai, einem der wenigen überlebenden Samurai, und führt diesen zur Befreiung der Heimat. Auf den beschwerlichen Weg dorthin erhält Jin Unterstützung durch Mitstreiter, Freunde sowie Söldnern. Diese storyrelevanten NPCs sind auch die Questgeber im Spiel was eine angenehme Abwechslung darstellt zu den questüberladenen und aus allen Nähten platzenden Genrevertretern. Dadurch werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Zunächst einmal ist die Anzahl der Nebenmissionen auch für Normalos gut machbar und man muss nicht unbedingt mehr als 80 Stunden aufbringen um alles zu sehen.
Und der andere positive Nebeneffekt ist die Weiterführung der Hauptgeschichte und im speziellen der recht interessanten Charaktere. Hier werden einige Schicksale gezeichnet die besonders zum Ende hin toll erzählt und/oder harter Tobak sind.
Die Hauptgeschichte steht dem in Nichts nach. Natürlich kann man es ganz einfach als eine Art Rachestory abstempeln und bis zu einem gewissen Punkt stimmt das auch.
Was aber noch hinzukommt sind der innere Konflikt von Jin und seinem strengen Kodex. Mit der Invasion der Mongolen geht es um Nichts anderes als das Überleben und Retten der Bewohner Tsushimas, wodurch einige Verhaltensregeln der Samurai im Notfall abgelegt werden müssen und man stellenweise den Weg eines Shinobi gehen muss.
GoT erstreckt sich in drei unterschiedliche Gebiete welche Open World mäßig nach und nach durch das Erreichen von Storymissionen erschlossen werden.
Die Welt bzw. die Insel ist optisch sehr ansprechend und kann durch verschiedene Themen sowie Landschaften abwechslungsreich überzeugen.
Hier wurde nicht nur technisch alles aus der PS4 geholt, auch stilistisch spielt GoT in seiner eigenen Liga.
Während Spiele wie TLoU 2 sehr beeindruckend aussehen dafür aber kaum weite Areale bieten und Open World Spiele immer wieder Defizite in Sachen Stil, Technik oder Abwechslung aufweisen ist GoT DAS Paradebeispiel wie die beiden wichtigen Eigenschaften der Optik hervorragend zusammen spielen können.
Wenn man möchte bekommt man auch einige Schönheitsfehler zu sehen, einige Wassereffekte existieren ganz salopp gesagt nicht und es gibt hier und da mal eine niedrig aufgelöste Textur aber alles in allem handelt es sich bei Ghost of Tsushima um das schönste Videospiel bisher.
Und auf der PS5 läuft das Gezeigte, als ob es das normalste auf der Welt wäre, in flüssigen 60 fps und mit hoher Auflösung was dermaßen zucker aussieht.
Abseits des Erkunden und Bereisen der Welt und nachgehen diverser, für das historische Japan schön übertragenen und schon bekannter Open World Aufgaben muss Jin natürlich auch kämpfen. Hierbei stehen ihm neben dem Katana auch ein Messer (Stealth), zwei Bögen (Kurz und Lang) sowie etliche Gimmicks zur Verfügung um sich gegen die Mongolen zur Wehr zu setzen. Das fängt mit Kunai an und hört bei Giftpfeilen auf um den Feinden ordentlich einzuheizen.

Das Kampfsystem erinnert an eine gelungene Mischung aus Assassins Creed und den Batman Arkham Spielen. Gegner müssen mittels Hieben aus der Haltung gebracht werden, Angriffe können pariert oder ausgewichen werden und zu Beginn eines Kampfes können samurai typische 1:1 Herausforderungen gestartet werden.
Das, zusammen mit Stealthabschnitten und Schlachten führt zu genügend Abwechslung und Anspruch um die ganze Spielzeit über motiviert an die Befreiung der Insel dranzubleiben. Mit einem perfekten Sekirosystem kann GoT leider nicht mithalten aber für ein US Entwickler welcher bisher nur mit Infamous Open World Luft schnuppern konnte ist diese Leistung dennoch beeindruckend.
Perfekt ist das Samurai Spektakel natürlich nicht. Die deutsche Sprachausgabe kann in der Qualität nicht mit anderen AAA Produktionen mithalten.
Stellenweise macht sich bei einigen Aufgaben und Passagen das “Open World Fieber” bemerkbar bei dem man die “Schreine” oder “Banditenlager” schon wieder klären soll nur um ein POI weniger auf der Map zu haben und einen Schnellreisepunkt freizuschalten.
Potential lässt Sucker Punch auch bei der KI liegen. Gegner versuchen erst gar nicht euch mit cleveren Manövern auszutricksen und wenn man will können Gefechte mit zwei oder drei Aktionen relativ sicher und schnell beendet werden. Und sollten Waffenupgrades und diverse Boni aufgelevelt sein, haben die Lakaien von Kotun Khan nicht viel zu lachen.
GoT ist eines der besten Open World Spiele geworden. Vielleicht sogar das Beste der letzten Jahre seit Zelda BotW. Es kombiniert alles was wir an Samurai lieben, räumt den unsäglichen, überfüllten OW Featurewahnsinn auf und macht einfach sehr viel Spaß.
9/10 