Die Wii war schon eine besondere Konsole. Neben dem fantastischen Launch mit Zelda TP und Wii Sport war es bis Ende 2007 sehr ruhig um die Konsole geworden.
Kaum nennenswerte Titel und Software die entweder mies oder uninspiriert waren, trübten das erste Jahr nach Release.
Ende 2007 wurden dann mit Metroid Prime 3 und Super Mario Galaxy die lang erwartete Fortsetzung und ein Jump n Run Meilenstein veröffentlicht. No More Heroes passte nicht so wirklich in dieses 2007 hinein, welches für Viele als das beste Jahr für Videospiele gilt.
Gesteuert wurde Travis Touchdown, seines Zeichen Kopfgeldjäger. Nach und nach schnetzelt sich der Spieler einer Rangliste von Killern entlang um am Ende auf der 1 zu landen.
No More Heroes ist deswegen nicht das typisch, polierte Spiel gewesen weil der Grafikstil sehr speziell ist, der Humor komplett over the Top war und das Gameplay, wenn man es böse ausdrücken möchte, nichts weiter als eine Sammlung von Minispielen und Kampfsequenzen ist.
Der erste Teil hat mich so beeindruckt, dass ich vor dem Release des zweiten Teils eine Wii gebraucht gekauft habe nur für dieses Spiel. Und das will schon was heißen.
Jetzt ist der dritte Hauptteil der Reihe erschienen und ich war gespannt darauf wie und ob das Spielprinzip in 2021 funktionieren kann.

Auch diesmal geht's um nichts anderes als der beste Assassine der Welt...nein, der Galaxie zu werden.
Nicht gegen Menschen oder Durchgeknallte wird der kleine Privatkrieg geführt, sondern gegen Aliens, welche unsere Erde inkl. Travis Heimatstadt Santa Destroy eingenommen haben.
Die Story hört sich banal und dumm an, ist es im Wesentlichen auch. Charmant ist es trotzdem wenn man sieht, wie es zu dem Angriff gekommen ist und welche Beziehung der Alien Anführer FU mit dem Konzerner Damon hat. Darüber Hinaus hat sich Silvya, Travis Freundin, als Sekretärin von Damon eingeschlichen und verfolgt eigene Pläne.
Besonders witzig und amüsant sind die charakteristiken der Aliens. Anfangs habe ich gedacht, dass dieses Konzept bei NMH kaum zünden wird, aber das tut es.
Jedes Alien ist auf seiner Art und Weise herrlich überzeichnet oder grotesk geschrieben. Einige hätten das Zeug in Indie Games der Endboss oder gar der spielbare Charakter zu sein.
Vor allem die Referenzen an große Spiele unserer Zeit wie Zelda oder Final Fantasy aber auch an die Popkultur sind einzigartig und schräg, zaubern aber immer wieder ein Lächeln in mein Gesicht.
NMH3 möchte auf der Metaebene keinen Spaß machen. Anders als die spaßige und verrückte Aufmachung ist der Job eines Assassinen harte Arbeit.
Um Geld für die Rangkämpfe zu verdienen werden Alltagsdinge verrichtet.
So müssen Toilettenhäuser, die auch als Speicherpunkt dienen, entstopft werden.
Rasenmähen gehört ebenso im Programm wie auch das Müllsammeln.
Und wenn man die “Burnoutartigen” Verfolgungsjagdten mit dem Motorrad entgegen fiebert sei euch gesagt: spaßig sind die hakelige Steuerung und die Kollisionsabfrage nicht.
Auch das Aufleveln von Travis mit verschiedenen Stat-Punkten ist dilettantisch. Verpackt als Arcade Automat wird kein Minigame gestartet und das Aufleveln erfolgt nicht nur durch Auswahl - vielmehr muss der A-Knopf so oft gedrückt werden bis die XP angenommen wird und das mehr an Gesundheit oder Angriffskraft letztendlich aufpoppt.
Die Oberwelt, auf der sich Travis zu Fuß oder mit dem futuristischen Motorrad bewegt ist kahl, hässlich und voller Grafik Defizite. Es ruckelt teilweise deutlich, das Flimmern ist ab Sekunde 1 zu sehen und kleinste Objekte können dazu führen, dass die Spielfigur stecken bleibt. Es ist trist wenn die einzigen sich bewegenden Objekte ein paar Autos oder wenige Passanten sind.
Und trotzdem hat Santa Destroy mit seinem tropischen Aussehen und der zwanglosen Atmosphäre seinen Charme.

Gekämpft wird wahlweise mit den Nunchucks mittels Bewegungssteuerung, wie zu Wii Zeiten oder ganz klassisch mit dem Controller. Hierbei wird bei Finishing Moves oder Würfen der rechte Stick benutzt anstatt der Bewegungssteuerung. Das ganze klappt ganz gut aber man merkt, dass der Fokus auf das händische Schlitzen liegt was Finisher nochmals etwas makaberer werden lässt.
Tatsächlich ist das Kämpfen die große Stärke des Spiels. Nach und nach werden neue Gegner mit weiteren Fähigkeiten vorgestellt, ein kluges Powerup Management ist bei späteren gefechten wichtig um nicht in die ewigen Jagdgründe geschickt zu werden.
Die Bossgegner stellen dann auch die Speerspitze dar - manche sind eher konservativ und auf schnelle Reaktionen designt, andere wiederum sind an Witz und Charme nicht zu überbieten.
NMH3 ist, wenn man sich dranhält, kein besonders umfangreiches Spiel.
Länger als 10 Stunden dauert ein Durchspielen nicht, dafür gibt es wenige Längen und auf die Achterbahn der Verrücktheit nehme ich gerne immer wieder Platz.
Für wen lohnt sich also das Spiel? In der Regel können alle, die die Vorgänge gemocht und geliebt haben zuschlagen. “More of the same” trifft es sehr gut.
Alle anderen spielen lieber die schon recht günstigen Vorgänger um in die Welt anzukommen und die optische wie spielerische Ästhetik von Suda51 zu verstehen.
6.5/10