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der spirit

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Supergiant Games haben es geschafft. Etliche Rogue Like Spiele haben mich in keinster Weise interessiert. Mich sprach das Spielprinzip nicht an. Immer und immer wieder mit leichten Variationen dieselben Bereiche räumen und nach einem Tod nochmal von vorne anzufangen war nicht meine Welt.
Dazu meist nicht vorhandene Geschichten und fehlende Tiefe galten bei mir als KO Kriterium.
Natürlich brachten auch die Bewertungen und einige GotY Auszeichnungen für Hades mich dazu mir das Spiel doch noch mal anzuschauen.
Und bei den Göttern, es versprach genau das zu sein was ich erwartet habe. und noch viel mehr.



Hades, der Gott der Unterwelt, wird im gleichnamigen Spiel als ein hart regierender, zynischer und altmodischer Gott dargestellt. Die Hölle mit Ihren ganzen Bezirken, Einwohnern und Regeln regiert sich nicht  von alleine. Bezeichnend auch sein Arbeitsbereich in dem er am Schreibtisch sitzt, sein Schoßhund Cerberus ihm Gesellschaft leistet und ellenlange Formulare und Gesetze abwinkt und unterzeichnet.
Im krassen Kontrast steht sein Sohn und Hauptprotagonist Zagreus.
Er spielt den Gegenpart seines Papas: Ein Gott der offen für Gespräche ist, Freundschaften im Hades geschlossen hat und unbedingt “die Welt draußen” kennen lernen möchte. Diese Vater/Sohn Beziehung bildet das narrative Grundgerüst des Spiels.
Zagreus hat die Nase voll von der Unterwelt und möchte nun aus dieser Ausbrechen.
Auf dem Weg dorthin werden ihm das komplette Schar an Höllenkreaturen in den Weg gestellt um das Vorhaben zu verhindern.
Hilfe erhält Zagreus von den Göttern des Olymps welche ihn mit speziellen Fähigkeiten und passiven Buffs ausstatten um Unterstützung zu leisten.
Man hat nie das Gefühl, dass die Story aufgesetzt wird oder nur beiläufig dahinplätschert. Vielmehr greifen alle Elemente, sowohl spielerische als auch die Erzählstruktur mit Ihren Charakteren genial ineinander über.
Einige Beispiele? Nach dem x ten Ausbruchsversuch ändern sich Dialoge und Anschauungen der NPCs. Die Götter des Olymps haben jederzeit, dem Spielverlauf passende, Anekdoten auf Lager und Zagreus Wunsch nach dem Ausbruch aus dem Hades hat auch storyrelevante Gründe die sich nach und nach herauskristalisieren.
Erzählt wird die Geschichte in Standbildern oder in kleineren Cutscenes welche durch hervorragende Synchronsprecher vertont werden. Ein Großteil der Sprecher sind die Entwickler selbst was das Ganze nochmals beeindruckender wirken lässt.
Rogue Like ist ein Untergenre des Action Adventures/RPGs was es schon länger auf dem Schirm gibt aber in gewissen Jahren keine Vertreter ans Licht gebracht hat.
Haupt “Problem” des Spielers ist das Fehlen einer Speicher- und Lademöglichkeit was den Bildschirmtod auch die Note “Tod” verleiht.
Zusätzlich dazu ist die Spielwelt durch generierte Level gekennzeichnet was jeden Versuch minimal anders ablaufen lässt.
Grundlage bilden die 4 Gebiete von Hades.
Angefangen vom Tartaros, welcher das Anfangsgebiet darstellt und ein Entkommen laut griechischer Mythologie unmöglich ist.
Das letzte Gebiet, der Tempel der Styx, markiert auch das Ende der Reise für unseren jungen Gott.
Jedes der 4 Gebiete hat seinen eigenen optischen Stil und spielerischen Kniff. So werden euch im Asphodeliengrund die Lava zu setzen während im Elysion euer Auge und Sinne durch wuchernde Pflanzen und malerische Panoramen entzückt wird.
 Jedes der Gebiete hat auch eigene Bosse zu bieten die euch besonders zu Beginn alles abverlangen. Nach und nach wird der Weg sowie der Bosskampf einfacher, durchschaubarer und fast schon zum Selbstläufer.
Die eigene Lernkurve der Gameplayelemente ist sicherlich ein Grund dafür, ein anderer liegt aber in der Besonderheit des Genres.



Auf seinen Fluchtversuchen sammelt Zagreus nicht nur göttliche Gaben, sondern auch Erfahrungspunkte und andere Goodies auf.
Das können Geschenke an die Höllenbewohner sein, Schlüssel zum Freischalten weiterer Waffen oder Erfahrungspunkte sein.
Mit diesen werden Geschenke gekauft die das Ausbrechen aus der Hölle vereinfachen, euch buffen oder ganz klassisch permanente Fähigkeitenboni freischalten.
Hier sprechen wir von HP Boni, Todesverachtungen (welche ein Extraleben darstellen) oder aber die Angriffs- oder Glücksparameter hochpushen.
Bei den Waffen gibt es eine Auswahl aus verschiedensten Rubriken.
Ein Schwert, ein Schild aber auch fancy Werkzeuge wie zB eine Kanone bringen viel Abwechslung ins Gameplay.
Das größte Argument für Hades und auch der Grund wieso dieses Spiel in der Gunst der Spieler ganz oben rangiert sind die unzähligen Builds welche durch die Kombinationen möglich sind.
Das fängt mit der Auswahl des sogenannten Geschenks an, einem Item, welches durch Fortschritt aufgewertet wird und nach einer abgeschlossenen Region ausgewechselt werden kann.
Nehme ich die 100 $ zu Beginn mit oder buffe ich mich durch perfekt absolvierte Räume erstmal mit Angriffsboni auf?
Lohnt sich ein Extraleben mehr als eine Schadensminimierung von 30%?
Bei den Waffen das selbe Spiel: Mein Schwert ist kraftvoll und für den Nahkampf ausgelegt. Der Bogen ist vorteilhaft für den Fernkampf und hat eine nette Spezialfähigkeit während der Speer das beste aus beiden Welten vereint.
Die Komplexität der Builds machen aber zweifellos die göttlichen Gaben von Zeus, Poseidon und Co. aus.
Hier beginnt das Komplexe und auch unberechenbare Element des Spiels ans Licht zu treten.
Nach dem Säubern eines Raums gibt es neben den Statusverbesserungen wie HP oder XP auch die Möglichkeit sich den Gaben der Götter zu bedienen.
So schenkt euch Zeus Blitz Boni für Angriffe oder Spezialfähigkeiten während Ares einen mächtigen Klingensog beschwört.
Hades macht Bewegungen und Angriffe schneller, Artemis beglückt euch mit zielsuchenden Angriffen und pusht den Critical-Zähler nach oben.



Die Komibationsmöglichkeiten und der daraus resultierende Build sind wahnsinnig umfangreich und entscheiden ob der aktuelle Run schwer und strategisch oder ein Spaziergang wird.
Freilich, wie so vieles beim Rogue Like sind das Spawnen der Götter zufallsbedingt.
Das Kampfgameplay ist schnell, mächtig, spaßig und hat die Substanz die man von einem God of War kennt. Jeder zugeführte Schlag bringt die Höllenbewohner wie Hydras, Skelette oder Geister zum Beben - es ist eine Freude zuzusehen wie die Überzahl an Feinden zerstört, zerfetzt und dezimiert werden nur um im nächsten Raum...dasselbe zu tun. Und so weiter.
Natürlich gibt es nun Stimmen welche das Repetitive kritisieren; Fallen und kleinere Herausforderungen ausgeklammert, mag das auch auf den ersten Blick stimmen.
Trotzdem kann sich das Gameplay innerhalb der nächsten zwei Gaben schon so stark verändert was Angriffsmuster von Zagreus und den Feiden angeht, dass hieraus ein gänzlich anderer Run als der vorgenommene entsteht.

Grafisch ist Hades grundsolide, die Locations schwanken zwischen zweckmäßig und “mit viel Liebe” erstellt. Das Spiel läuft meistens flüssig, bei größeren Gegner Ansammlungen und Explosionen stockt das Bild etwas was aber auf der Switch nie/selten ein Problem war.
Schlimmer ist eigentlich nur die Schriftdarstellung in manchen Szenen. Diese ist nicht nur niedrig aufgelöst sondern auch schlicht zu klein. Hier hat man sogar auf dem TV Probleme zu erkennen mit was euch poseidon und Co. beglücken. Ein Patch kann und sollte auch mal angeboten werden.
Die Musik spornt an, ist passend zum Thema und hat einige gute Scores zu bieten. Na klar, es wäre möglich noch bessere und noch mehr Musikstücke anzubieten was ich aber dem Indie-Status des Spiels zuschreiben würde.



Hades ist ein wahnsinnig spaßiges, tolles, fast schon perfektes Spiel.
Sehr selten haben mir einzelne Tode so viel Spaß und Motivation beschert und immer und immer wieder wollte ich den perfekten Build aufbauen womit ich dem Minotaurus und der Hydra den garau machen wollte.
Dazu wird eine schöne Geschichte erzählt welche auf die generationenübergreifende Konkurrenz und verschiedene Ansichten einer Vater/Sohn Beziehung aufgebaut ist und genügend Ausschweifungen bietet.
Man hat hier das einmalige Gefühl, dass das komplette Genre hiermit seinen Höhepunkt gefunden hat. Nichts wirkt deplaziert, es kommt dem geübten Spieler so vor als ob alle Elemente um das Grundgerüst herum aufgebaut sind und wie ein perfektes Zahnrad ineinander eingreifen.
Perfekt ist Hades nicht - aber gefährlich nah dran.

9.2/10


 :ws-crew-platin-classic:
« Letzte Änderung: April 26, 2021, 12:23:21 Vormittag von der spirit »


docower

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Phantastisches Review spirit. Hades ist was das Genre angeht sicherlich der Icebreaker. Ich kling ezwar wie eine ausgeleierte Schallplatte aber Du solltest jetzt wo du dem Genre etwas näher gekommen bist auf jeden Fall Children of Morta anspielen. Das liegt für mich gefühlt nur ganz knapp hinter Hades aber in einigen Bereichen sehe ich es sogar davor und glaube sogar Hades hat sich hier und da etwas abgeschaut. Was mir persönlich besser gefiel an CoM, bessere emotionalere Story, Levelaufbau (es gibt zufallsgenerierte Dungeons anstatt nur Räume,) das Familiengefühl hier gibt es keine Waffen sondern Familienmitglieder mit individuellen Kampfstilen, Coop (zu zweit so genial). Wenn Du Zeit hast und es mal im Sale entdeckst gdem Teil ne Chance. Das war mein Icebreaker.


der spirit

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Danke bei beiden.
Abwarten wie es in Zukunft mit den Reviews ausschaut und ob die Menge ausreicht um ein Review Mag zu werden.  8)

Und Children of Morta habe ich zwar mal gehört aber noch nie näher angeschaut. Bin gespannt.


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Probiere es gerne mal aus. Die grobe Pixelgrafik wirkt auf viele abschreckend und bei Rogue like flüchten eh gleich alle. Hades hat halt ein ein dermaßen flüssiges Gameplay da kann CoM nicht mithalten da es gemächlicher ist. Aber es hat auch seine o.g. Stärken.


Arena

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SUPER Review!

Sobald das Spiel auf PS4 oder PS5 erscheint - meins!

 :)


docower

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SegaMan

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Ich bin zunehmend zu blöd fürs gaming.

Hab mir HADES auch geholt und es gefällt mir eigentlich ganz gut.
Allerdings hab ich bis jetzt noch nicht herausgefunden wie das Levelsystem (gibts überhaupt eines?) funktioniert.

Mich erschlagen games mit ihren dämlichen überladenen Levelbäumen.



der spirit

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Du musst dich von der Theorie lösen, deinen Charakter ganz RPG mäßig mit "mehr Angriffskraft" oder "mehr Verteidigung" aufzuleveln.
Leveln in diesem Sinne gibt es nicht, du sammelst jedoch Finsternis (die violetten Tropfen).
Mit diesen kannst du in deinem Zimmer am Spiegel bestimmte Fähigkeiten aufleveln wie mehr HP, mehr Extraleben, mehr Wurfschaden usw. DAS ist das Levelsystem in dem Game.
Dann gibt es noch die Möglichkeiten später im Spiel die Waffe zu leveln und bestimmte Gegenstände, von denen du nur einen gleichzeitig tragen kannst, aufzuwerfen durch Benutzung. Im Trainingsraum findest du neben den Waffen den Schrank wo du auf die Geschenke zurückgreifen kannst. Am Anfang noch leer, wenn die NPCs beschenkst geben sie dir diverse Goodies welche den Schaden verringern, oder mehr HP geben.
Das wichtigste aber: einfach Spielen, der Rest kommt von alleine.