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Generelles => Reviews => Thema gestartet von: der spirit am Oktober 25, 2021, 07:03:45 Nachmittag
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Metroid ist schon eine spezielle Serie Nintendos.
Samus begründet ein Genre, war die erste namhafte Heldin eines Videospiels und in Metroid Prime lieferte Sie zusammen mit den Retro Studios den wahrgewordenen Beweis, dass eine 2D Spieleserie ebenso gut in der dritten Dimension existieren konnte obwohl alle Wetten dagegen standen.
Und dennoch genießt Metroid nicht die Anerkennung seitens Nintendo wie etwa Super Mario, Zelda oder Pokemon.
Zum einen waren einige Ausreißer dabei welche wertungstechnisch nicht ganz an die gewohnten Höchstwertungen alter Zeiten herankamen aber auch verkaufstechnisch waren die Spiele nie so erfolgreich wie die großen Brüder.
Jetzt mit Dread scheint sich dieses zweite “Problem” gelöst zu haben - die ersten Berichte über die Verkäufe lesen sich positiv.
Das Metroid Dread aber auch abseits guter Verkäufe ein Hit ist erfreut natürlich mich und auch die Spielerschaft.
Metroid Dread siedelt sich chronologisch als letzter Teil der Metroid Story ein. Samus erhält die Neuigkeit, dass der X Parasit auf einen fremden Planeten gesichtet wurde. Wir erinnern uns: In Fusion wurde Samus mit dem Parasiten infiziert. Mit Hilfe von Metroid DNA wurde eine wirksame Gegenmaßnahme injiziert um Samus immun und so die Bedrohung zu bändigen.
Die X Parasiten spielen demnach eine gewisse Rolle in Dread ebenso wie die Chozo, eine vogelähnliche Rasse welche wir in Prime kennengelernt und die Samus erzogen haben. Und genau hier beginnt Dread.
Nach einem harten und unerbittlichen Kampf gegen einen mächtigen Chozo verliert Samus Ihre komplette Ausrüstung und darf sich dann serien typisch alles nach und nach zurückerobern.
Manche mögen es antiquiert finden, dass die immergleichen Prinzipien bei Nintendo vorherrschen, Stichwort: Rette die Prinzessin, aber bei Metroid verzeihe ich es.
Zum einen würde das Spiel in diesem Genre nicht wirklich funktionieren und zum anderen macht es einen großen Reiz des Spiels aus immer stärker zu werden und Rätsel, die vorher unlösbar waren mit genug Hirnschmalz zu lösen.
Neben der deutschen Vertonung (wobei nur ein Computerterminal deutsch spricht) bietet Dread auch einiges an Cutscenes die tatsächlich gut gemacht sind und Samus als absolutes Badass darstellen.
Im Grunde genommen ist die Darstellung unserer Heldin die bisher beste in der Serie. Nicht selten schaut man sich die Szene an und denkt sich “Nintendo, wieso machst du aus so einer Heldin nicht mehr?”
(https://images.nintendolife.com/screenshots/117736/large.jpg)
Atmosphärisch waren die großen Metroid Spiele immer wahnsinnig toll. Wenn man seinerzeit in Brinstar oder Norfair unterwegs war kam man sich verlassen vor. Eine fremde Welt, welche von Space Piraten und beheimateten Lebewesen und teils wunderbarem Leveldesign strotzen.
Auch in Prime waren z.B. die Phazon Minen bedrohlich, fast schon Horror Würdig wenn das Licht ausging und die Space Piraten angriffen. Noch dazu wurde das Visier und die verschiedenen Gimmicks wie Thermal- oder X Ray-Sicht eindrucksvoll umgesetzt.
Bei Dread ist es ein zweischneidiges Schwert.
Einige Areale von ZDS sind schön und geheimnisvoll entwickelt, laden auch mal zum Stehenbleiben und Staunen ein.
Davon abgesehen sind andere Locations gehobener Standard im Metroid sowie im gleichnamigen Genre. Oder anders gesagt: An einige Level aus Hollow Knight oder Ori sowie SotN erinnere ich mich noch und habe sehr gute Erinnerungen an Diese.
Bei Dread gibt es andere Punkte die mir umso mehr gefallen.
Da wäre zum einen die hervorragende Spielbarkeit.
Es macht wahnsinnig Spaß Samus durch die engen Korridore und weiten Hallen zu navigieren. Die direkte Steuerung und die punktgenauen Moves macht dies nicht nur möglich sondern auch notwendig wenn man den Bedrohungen Einhalt gebieten will.
Die Endgegner sind eine Klasse für sich und mit das stärkste was die Haben-Seite hervorbringt.
Beim ersten Mal gegen einen der Obermotze stirbt man doch relativ schnell für ein Metroid Spiel. Man denkt sich “der ist unbesiegbar, ich bin zu schwach und sehe kein land”.
Mit jedem weiteren Mal jedoch werden neue Erkenntnisse gewonnen, bestimmte Bewegungsmuster verinnerlicht, Fähigkeiten ausgewichen und schrittweise kommt man dem Boss zuvor.
Das war auch “damals” schon so nur bei Dread kommt es einem noch besser und anspruchsvoller vor da man selbst mehr Schaden nimmt und die Bosse zwar hart sind aber nie unfair. Dazu kommt noch hinzu, dass die Rücksetzpunkte sehr fair verteilt sind, lange Laufwege existieren quasi nicht.
Ein anderes Kaliber von Bossen sind die EMMIs, welche schon vor Release gehasst wurden.
Diese auf den ersten Blick unzerstörbaren Roboter kommen in dafür speziell abgetrennten Bereichen vor und machen wie eins der Terminator Jagd auf Samus.
Auf den ersten Blick unzerstörbar und teilweise nervig mit Ihren One Hit Kills, machen die Flucht und Stealth Passagen auch in einem Metroid wenig Sinn.
Nach einer gewissen Zeit lernt man jedoch die Eigenheiten der KI kennen, kann sich besser auf die Rabauken einstellen und weiß wie der Hase läuft.
Besiegt werden die EMMIs immer auf die gleiche Art und Weise, mittels “Superwaffe” und einem ruhigen Waffenfinger.
(https://www.games.ch/img/metroid-dread.1920.1080.nAI.1.jpg)
Metroid Dread versteht es im Spielverlauf euch gekonnt durch die Level zu führen ohne das Ihr es merkt.
Auf den ersten Blick wurde ich durch die unzähligen Möglichkeiten und verschiedenen Wege immer wieder überwältigt, wusste nicht welchen Raum oder welchen Teleporter ich nutzen musste. Eine Wegfindung gibt es nicht. Aber dies ist auch nicht schlimm.
Immer und immer wieder wird man unterbewusst auf die richtige Fährte gelockt.
Hier und dort sind mal Blöcke die man nicht zerstören kann, gewisse Türen lassen sich nicht öffnen usw. Ein gewisses Maß an Exploration ist dennoch gegeben um Raketen Packs oder Energie Kanister zu finden.
Die meisten Gegenstände lassen sich jedoch erst beim zweiten oder gar dritten Versuch, sobald mehrere Fähigkeiten gefunden wurden, einsammeln.
Manche der Geschicklichkeitspassagen und Rätsel sind clever designt und kommen aus der Kerbe “Das geht niemals - oh, es klappt doch”.
Neben dem Morphball und dem Wave Beam oder Charge Beam gibt es auch hier den Doppelsprung oder die überaus mächtige Screw Attack.
Schade: Neue, aufregende Fähigkeiten wären mal eine Innovation gewesen.
Grafisch sieht Dread für ein Switch Spiel ganz gut aus. Die Effekte sind gut umgesetzt, die Hintergründe sind noch viel besser umgesetzt und zeigen Tiefe und Charakter der einzelnen Welten.
Nur an den Sterbeanimationen einzelner Standardgegner hat man sich schon nach weniger Zeit sattgesehen.
Dafür läuft das Spiel in den allermeisten Fällen absolut butterweich mit 60 Bildern pro Sekunde und das ist auch gut so. Selten sah unsere Heldin so geschmeidig aus und fühlte sich “echter” und menschlicher an als hier.
Musiktechnisch kommt nur selten der Flair der Serie auf. Ein paar Stücke aus alten Teilen sind zwar drinnen, werden aber nur in Cutscenes abgespielt.
Die neuen Tracks haben bei Weitem nicht den Wiedererkennungswert der alten Teile und JA, es trübt das ansonsten hervorragende audiovisuelle Erlebnis.
Ich bin bei der Musik leider mit den falschen Erwartungen herangegangen und wurde etwas enttäuscht.
(https://www.siliconera.com/wp-content/uploads/2021/09/ferenia.jpeg)
Zusammenfassend muss man sagen, dass Metroid Dread zum Pflichtprogramm eines Switch Besitzers gehört.
Man bekommt ein fesselndes, süchtig machendes Abenteuer vorgesetzt. Anspruch und spielerische Leichtigkeit halten sich die Waage was nicht viele Spiele heutzutage schaffen.
Und wenn man durch ist? Dann möchte man am liebsten sofort das nächste 2D Abenteuer der Kopfgeldjägerin spielen wollen. Oder man versucht sich an Speedruns. Oder man holt die Vorgänger nach.
8.5/10
:ws-crew-gold-classic:
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Die Tiefe der Bilder (obwohl quasi 2D) ist das, was mir wirklich interessant scheint. Das obere und untere Bild = so steril, was auch bei den kursierenden Preview Bildern eher etwas dröge wirkte. Das mittlere Bild hingegen cool, und so sah es auch bei einigen im Review der M! Games aus.