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Generelles => Reviews => Thema gestartet von: southflorida am Juli 08, 2021, 03:19:32 Nachmittag

Titel: Tetris Effect: Connected
Beitrag von: southflorida am Juli 08, 2021, 03:19:32 Nachmittag
Tetris Effect: Connected

Studio: Resonair
Publisher: Enhance, Inc.
Release: 2018 (PS4), 2020 (Xbox Series, Xbox One, PC)
getestet auf: Xbox Series S
weitere Systeme: PS4, PC

Es gab schon viele Versionen von Tetris. Die Motivation bei Tetris Effect (zunächst auf PS4 und optional PS4 VR erschienen) ist hoch, es wäre eigentlich DAS Spiel für Handhelds und Langstreckenflüge. Leider, leider ist es zunächst gefangen in stationären Konsolen und PCs, was schade ist, denn dieses Tetris ist so erfrischend anders. Ich kann es auch Leuten empfehlen, die Tetris kennen.

(https://www.wscrew.de/forum/index.php?action=dlattach;topic=199.0;attach=144;image)
An den Steinen hat sich nichts geändert seit den 1980er Jahren, lediglich durch Grafikeffekte gibt es etwas Verzerrung ;)

Super Grafik, dazu tolle Musik von Komponist Noboru Mutoh: das Spiel ist diesbezüglich schlicht ein Meisterwerk. Inspiriert ist das Geschehen gewiss von Hexic oder Lumines, zu ihrer Zeit bereits auch audiovisuelle Schönheiten. Die Größe der Darstellung des Spielfeldes lässt sich skalieren, auch kann man den „Trichter“ auf Wunsch eher seitlich betrachten.
Kernpunkt des Spiels ist eine Art „Story Mode“, eine Reise durch viele unterschiedliche Grafiksets, bestimmten Themen zugeordnet und sehr ansprechend inszeniert. Spielerisch gibt es Altbekanntes, garniert mit manchmal brachialem Wechsel der Geschwindigkeit, z.B. von Speed Level 3 auf 11.

Probiert jedoch nicht nur diesen „Journey“, der zum Freispielen anderer Inhalte dient, sondern auch andere Spielmodi = geil!
Da warten dann u.a. Modi, wo man 150 Lines schaffen muss (was alle Speed Level von 1 bis 15 abdeckt), oder in einer gewissen Zeit eine möglichst hohe Punktzahl schaffen soll.

Leider neigt das Spiel in den späteren Phasen zu unfairen Frechheiten: ja, es ist schon toll, dass man einfach die Geschwindigkeit willkürlich von Level 10 auf 15 hochdreht. Beim letzten Level ist es nervig, weil er (es mutet an wie eine Beschäftigungstherapie) unnötig gestreckt ist, und man nach verhältnismäßig langer Spielzeit auf „noch moderatem“ Speedlevel dann ursprünglich eine hohe Geschwindigkeit vorgesetzt bekommt, die oft alles verbockt. Und das liegt nicht einmal allein am Spieler, sondern zuweilen unpräzise Steuerung und sogar kurze Ruckler (die bei dem hohen Speed gewisse Steuerkommandos „verschlucken“) helfen nicht unbedingt.
Gegenüber dem alten Tetris Reglement wurde verändert, dass man Steine auch nach dem Platzieren noch kurzfristig drehen kann, was „Wohl und Wehe“ mit sich bringt: häufig werden dann gewisse Aktionen auch mal „verschluckt“, oder der nächste Stein falsch platziert.

Durch die etwas ärgerlichen beschriebenen Probleme bezüglich etwas unpräziser Steuerung kommt m.E. zu viel Geschicklichkeit oder Glück ins Spiel, in dem es ja eigentlich um schnelles Kombinieren geht. Endlose (gescripted wirkende) Serien „ohne passenden Stein“ gen Ende des Journey Mode scheinen mir auch etwas zu häufig… denn in den anderen Spielmodi habe ich das so nicht erlebt.
Es bleibt eine erfrischend andere Tetris Erfahrung, gerade auch für all jene, die das Spiel im Grunde seit 30 Jahren kennen. Doch die ganz hohen Wertungen bleiben zumindest von meiner Seite verwehrt, zum einen, weil Tetris eben nicht vergleichbar ist mit einem Schwergewicht a la Resident Evil oder Final Fantasy, zum anderen, weil es kleine, aber vermeidbare Flaws beim Spieldesign gibt.

Kurze Anmerkung: den foreninternen "Classic" vergebe ich nicht, ich würde die Wertung bei einer knappen "8" einordnen.


8/10