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Generelles => Reviews => Thema gestartet von: der spirit am Juni 29, 2021, 09:56:37 Nachmittag
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(https://www.games.ch/img/ratchet-rift-apart.1530.860.nahji.1.jpg)
Es war nur eine Frage der Zeit bis Ratchet und sein Robogehilfe Clank ihren Weg auf die neue Sony Konsole finden sollten. Immerhin handelt es sich bei den vorherigen Spielen um tolle Genremixe mit toller Optik, viel Witz und keinen Längen.
So ein Spiel hätte die PS5 natürlich auch sehr gut zum Launch gebrauchen können, ein Spiel welches die Power der PS5 aufzeigt, Abwechslung bietet und quasi für Jedermann spielbar ist - ganz anders als ein Demons Souls.
Nun, knapp 6 Monate später dürfen die beiden charismatischen Helden endlich in auf der neusten Generation herumtanzen und erfüllen die Erwartungen “gut” aber nicht mehr.
Serienschurke Dr. Nefarious bekommt den sogenannten Dimensionator in seine Finger.
Diese erlaubt es, zwischen verschiedenen Dimensionen zu springen.
Bei der Heldenpartade unseres Traumduos geht einiges schief und unser Duo landet getrennt in einer fremden Welt.
Ratchet wacht in Nefarious City auf.
Wie es der Name schon verrät, hat der Dr. Nefarius in dieser Dimension tatsächlich seine Pläne in die Tat umgesetzt und sich zum Alleinherrscher krönen können.
Clank trifft derweil auf die mutige und fesche Rivet, Ihres Zeichens ebenfalls Lombax. Mit vereinten und sich ergänzenden Kräften also, soll nun also die Unrechtsherrschaft von Nefarious gestoppt werden.
Die Story ist im besten Fall Beiwerk. Es gibt kaum Überraschungen, das Ende ist vorherbestimmt und dient quasi nur als Rahmen um das Gameplay zu rechtfertigen.
Dennoch spreche ich hier ein Lob an die Charakterzeichnungen der vier Hauptcharaktere aus.
Die Dynamik zwischen den Beteiligten ist wunderbar und sorgt für den ein oder anderen Feel Good Moment. Auch Themen wie Vertrauen, Freundschaft und Verantwortung werden schön in Szene gesetzt. Als Spieler wird man schon das ein oder andere Mal berührt wenn die kleinen, unsicheren Roboter durch die selbstbewussten Lombax aufgefangen werden.
Leider bleiben fast alle anderen Nebendarsteller eher blass, großartigen Bezug baut man zu den Allerwenigsten auf.
(https://www.spielemagazin.de/wp-content/uploads/2021/02/ratchet-clank-rift-apart-erscheint-am-11-juni-und-ist-ab-heute-vorbestellbar-www.spielemagazin.de-2.png)
Wie anfangs beschrieben handelt es sich bei Rift Apart um einen Genremix aus Shooter, Hüpfer, Geschicklichkeit und Puzzler.
Ihr steuert die Figuren in gewohnter 3rd Person hinter dem Charakter und steuert mit dem rechten Stick die Kamera in Shooter Manier. Ab hier weiß man was einem bei R&C erwartet. Kompromisslose Action mit mal abgedrehten und mal konservativen Waffen in dem Gegner aus dem Weg geballert und geschlagen werden.
Das Shooter Gameplay funktioniert im kern ganz gut. jede Waffe kann durch Durchdrücken des rechten Triggers eine andere Funktion ausführen.
So wird bei der Schrotflinte ein Doppel- oder Dreifachschuß abgefeuert, die Blasterpistole wird von einer präzisen, Einschusswaffe zur tödlichen Dreischusswaffe umfunktioniert.
Alle Waffen lassen sich durch Nutzung und Power Items auch aufwerten wodurch Kapazität, Speed oder andere Goodies freigeschaltet werden.
Besonders innovativ und abwechslungsreich sind der Abpraller oder der Blitzableiter.
Ersterer trifft die Gegner durch Betätigen des Triggers von verschiedenen Seiten weiter, der Blitzableiter elektrisiert die Gegner und kann durch gekonnte Schüsse mehrere Gegner in einem Stromkreis erfassen.
Bei allen Waffen kommt das Haptic Feedback des Dualsense Controllers toll zur Geltung. Hier fühlt man jede Kugel was sehr zur Immersion beiträgt.
Aber auch bei allen anderen Aktionen sind die Vibrationsmotoren on Point. Jeder Schritt, jeder Regentropfen wird entweder feinfühlig oder etwas härter wiedergegeben.
Rift Apart beinhaltet neun Level welche mal mehr mal weniger umfangreich sind.
So bietet “Zurkie” quasi nur Arenakämpfe während Savali weitläufig daherkommt und zum Entdecken der Geheimnisse und Nebenmissionen einlädt.
Eines haben aber alle Welten gemeinsam: Die Dimensionswechsel die im Vorfeld groß angekündigt wurden, sind nur spärlich und gescriptet eingesetzt. Selber in andere Dimensionen eindringen und so die Pace selbst zu bestimmen ist nicht drin.
Das höchste der Gefühle sind die Dimensionstore, durch welche sich Ratchet/Rivet an eine entfernte Stelle “hinziehen” können. So wird das ganz große Feature was die Power der PS5 und der SSD ausreizen soll nur angeschnitten. Spaß macht es dennoch wenn auf einmal überall die Post abgeht und man selbst nur noch staunt was hier gerade geschieht. Aber von diesen Stellen gibt es dezent wenige um für Begeisterungsstürme zu sorgen.
(https://www.gamespot.com/a/uploads/original/1552/15524586/3841328-3840791-spybot2nap.png)
Die Jump n Run Passagen spielen sich gewohnt gut. Mal muss auf eine High Speed Schnecke geritten werden, mal wollen Rohre und Gleise gegrindet werden. Rift Apart versteht es sehr gut das Gameplay über die 12 Stunden zu variieren, Langeweile kommt selten zustande.
Das gilt auch für die Abschnitte mit den beiden Robotern die mit netten Kopfnüssen die High Tech Jagd nach Dr. Nefarius auflockern.
Rift Apart sieht auf den ersten Blick absolut toll aus.
Ich spielte es mit 60 FPS und Raytracing und das was auf dem Bildschirm manchmal abgeht ist wunderbar anzusehen.
Jedoch kommt es hier immer auf den momentanen Level an. Hier gibt es deutliche Unterschiede was Qualität und WHOA Effekte angeht.
Besonders das Ray Tracing überzeugte mich fast jederzeit, die Spiegelungen und das Licht spielen zusammen mit den Effekten und Geometrie in einer Liga, welche ich gerne in den nächsten 5 Jahren stetig weiterentwickelt erleben möchte.
Negativ sind die doch recht häufigen Pop Ups von Büschen und kleineren Objekten zu bewerten. Hier muss doch mittlerweile mit dieser Power mehr möglich sein, siehe RDR2.
Und trotzdem: Gepaart mit den fantastischen Fell der beiden Lombaxe, und der tollen Mimik glaubt man immer wieder einen Pixar Film zu spielen.
Was macht also Rift Apart falsch oder “nicht so gut”?
Zunächst einmal plätschert der Sound und vor allem die Musik nur vor sich her. Großartige Themes sind mir zu keiner Zeit in Erinnerung geblieben. Die deutschen Sprecher machen Ihren Job zwar ok aber hier hat man bei weitem nicht die hohe Priorität gesehen wie bei der Optik.
Der KO für den in Aussicht gestellten Award ist aber das Spielprinzip auf den zweiten Blick.
Ja, das Spiel ist abwechslungsreich und objektiv gesehen macht es nicht viel verkehrt. Jedoch ist der Schwierigkeitsgrad zu niedrig. Größere Gegnerhorden oder gar Bosse sind mit zwangsläufig aufgelevelten Waffen kein Problem. Hier genügt, um es mal krass auszudrücken, das Springen und Draufhalten der aktuell ausgerüsteten Waffe. Munition leer? Kein Problem, nächste Waffe aufrüsten und damit dann den Garaus machen.
Das zieht sich durch das gesamte Spiel und durch alle Bereiche, wesentliche Herausforderungen sind Mangelware, es fehlt der Anspruch in sämtlichen Bereichen. Sogar die Jump n Run Passagen sind sofort machbar und durchschaut.
Beim Ballern beschränkt man sich auf drei, vier Waffen die komplett ausreichen.
Endgegner erfordern nicht wirklich eine Taktik, hier ist das stumpfe “Abarbeiten” am ehesten zu erkennen.
Um diesen nun negativen Test mal den Wind aus den Segeln zu nehmen möchte ich nun zum Fazit kommen.
Rift Apart ist spielenswert. Es hat seine Momente, man sieht wozu die Hardware in der Lage ist und charmant ist das Gezeigte und gespielte in jedem Fall.
Dazu die tolle Steuerung gepaart mit der flüssigen Darstellung lassen mich immer wieder grinsen wenn ich den Lombax durch die Kulisse steuere und auf die ganzen Details achte.
Für Langzeitmotivation dient aber keines der Elemente, spielerisch muss man die Erwartungen etwas herunterschrauben, dann erwartet euch mit Rift Apart ein schönes, kurzweiliges Action Game was aber Potential verschenkt. Nächstes Mal bitte etwas besser liebes Insomniac Games.
7.2/10